Entwurf eines Strukturplanes

"Mehr als Strukturen ..."

 

Der hier vorgelegte Entwurf eines Strukturplanes entstand in den letzten zwei Jahren in den drei Seelsorgsregionen unter Leitung der Regionalbischöfe zusammen mit den Dekanen der jeweiligen Region. Die geringe Zahl an Priestern hat zunächst den Anstoß gegeben, größere Seelsorgsräume gegenüber der bisherigen Planung zu bilden. Der Personal-/Strukturplan 2010 sah 200 Einzelpfarreien und 200 Pfarrverbände (mit 550 Pfarreien) vor. Der vorgelegte neue Plan sieht nur noch 47 Einzelpfarreien und 232 Pfarrverbände (mit 703 Pfarreien) vor. Das ist mit Sicherheit ein gewaltiger Einschnitt, der nicht nur die Strukturen, sondern auch die bisherige Seelsorge tangiert: Gemeinden werden sich verändern. Es wächst aber auch die Einsicht, dass größere Seelsorgsräume eine Chance in sich bergen könnten, das kirchliche Handeln in einer sich verändernden Situation effektiver zu gestalten. Darauf ist bei der Diskussion und der Umsetzung des Planes in erster Linie zu achten und sich damit auseinander zu setzen.

Gemeinden werden sich verändern
Größere Seelsorgseinheiten werden ein anderes kirchliches Leben zur Darstellung bringen, als wir es derzeit, insbesondere in Einzelpfarreien mit der Konzentrierung auf die Kerngemeinde, vorfinden. Wir dürfen dabei nicht nur auf den Priestermangel schauen, wir haben ebenso den Gläubigenmangel, einen zu erwartenden Finanzmangel, den Glaubensschwund bei den Kirchenmitgliedern und einen Bedeutungsschwund der Kirche in einer sich immer pluraler ausdifferenzierenden Gesellschaft ins Auge zu fassen.

Vielfalt von Lebenswelten
Die bekannte Sinusmilieu-Studie hat - bei allen kritischen Anfragen daran - sicher eines deutlich analysiert: in den gängigen Pfarreien sind weit gehend Menschen vertreten, deren Lebenskultur nur drei von den zehn festgestellten Lebenswelten (Milieus) zuzuordnen sind. Damit erhalten unsere Pfarrgemeinden oft eine einseitige Prägung, denn viele Katholiken, die anderen Milieus zuzuordnen sind - den sog. modernen jungen Milieus werden immerhin 30 % der deutschen Katholiken zugerechnet - haben kaum mehr Kontakt zu ihrer Pfarrei, weil sie sich dort nicht wohl und angesprochen fühlen. Der Verlust von Pfarrei- bzw. generell Kirchenmitgliedern bedeutet nicht nur den Verlust von Individuen, sondern auch einen Verlust an Vielfalt heutiger Lebenskulturen.

Verlust oder neue Chancen?
Größere Seelsorgseinheiten könnten die Chance in sich bergen, der Vielfalt wieder mehr Raum oder besser Räume zu schaffen. Größere Einheiten zwingen zu einem Blick über den eigenen Kirchturm hinaus, nötigen zur Zusammenarbeit mit anderen Pfarreien, Traditionen und Menschen, ermöglichen unterschiedliche Angebote und Glaubensorte. Weil größere Einheiten größere Teams von Hauptamtlichen und eine Vielzahl Ehrenamtlicher haben können, kann eine differenzierte Seelsorge geplant und umgesetzt werden. In die größeren Einheiten sind auch die vielen kategorialen kirchlichen Dienste mit zu vernetzen, die - früher von Pfarreien mitgetragen - durch Professionalisierung und Spezifizierung sich den Pfarreien gegenüber oft verselbständigt haben, dabei aber auch bei Nicht-Kirchgängern Ansehen finden und in Anspruch genommen werden: Krankenhausseelsorge, Altenheimseelsorge, Beratungsdienste, Einrichtungen der Caritas, Notfallseelsorge, Bildungseinrichtungen; dazu neue geistliche Gemeinschaften, kirchliche Schulen, Verbände, fremdsprachige Missionen und Ordensgemeinschaften mit ihren Diensten. All das sind Orte, an denen Menschen unterschiedlicher Lebenswelten Kontakt mit Kirche und Glauben finden, ohne sich einer Pfarrei anzuschließen. Größere Einheiten könnten durch Konzentrierung der Kräfte und Abläufe wie auch durch Vernetzung der vielen Einrichtungen, Gruppen und Glaubensorte wirksamer, werbender und ansprechender missionarisch in die Gesellschaft hineinwirken, als es eine kleine Seelsorgseinheit leisten kann. Diese größeren Einheiten auszugestalten wird ein Prozess sein, dem wir uns stellen müssen und der mehr Kraft und Einsatz verlangt, als nur neue Strukturen zu schaffen.

Pastorale Schwerpunkte
Die einzelnen Seelsorgseinheiten werden konkrete pastorale Schwerpunkte erarbeiten müssen und haben dabei die Vielfalt kirchlichen Lebens und unterschiedlicher Glaubenswege im Auge zu behalten. Das ist die wichtige Aufgabe kommender Jahre. Denn es geht um mehr als Strukturen; es geht um die Anpassung der Pastoral an sich verändernde gesellschaftliche und soziokulturelle Gegebenheiten, damit Kirche in einer immer pluraleren Öffentlichkeit das Evangelium zu den Menschen bringen kann. Dabei müssen auch in größeren Einheiten kleinere Orte erhalten bleiben, an denen Christen ihre Heimat vor Ort finden trotz aller Mobilität und einer steigenden Bereitschaft, unter verschiedenen Angeboten auszuwählen. Die Weiterentwicklung der Pastoral verlangt Anstrengung, Fantasie und ist ein längerer Weg, der dringend fachlicher Begleitung bedarf. Wie das geschehen kann, wird im Prozess des begonnenen Forums zu bedenken sein.

Domkapitular Dr. Wolfgang Schwab
Referat Pastorale Dienste
 
 
Entwurf Strukturplan nach Dekanaten
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