St. Albertus Magnus Ottobrunn

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Kirchenträume

Wir träumen von einer Kirche,

die offen ist für Jugendliche,
die ihnen zuhört,
die eine Sprache spricht, die sie verstehen,
die ihnen Mut macht für das Abenteuer Leben,
die sich bereichern lässt von den Ideen der Jugend.

Wir träumen von einer Kirche,

die verständnisvoll ist,
die an das Gute im Menschen glaubt,
die den Gescheiterten Hoffnung und Zukunft schenkt,
die Fremde aufnimmt, die sich Asylsuchender annimmt,
die solidarisch ist mit denen, die zu kurz kommen im Leben.

Wir träumen von einer Kirche,

die sich hinterfragen lässt,
und selber kritisch Fragen stellt,
die aufzeigt, wie Menschen miteinander leben können,
die ungerechte Strukturen aufbricht,
und aus dem Evangelium heraus handelt,
die sich vom Wirken des Heiligen Geistes herausreißen lässt
aus der Enge und Selbstzufriedenheit.

Wir träumen von einer Kirche,

die sich einsetzt für Frieden und Gerechtigkeit,
die für Randgruppen einsteht,
die Verzweifelten weiterhilft,
die die Menschen ernst nimmt
mit ihren Sehnsüchten und Wünschen,
die mit Gott rechnet mitten im Alltag,
und stets unterwegs ist mit ihm.

nach Claudia Hofrichter




Luftballons und Träume

Was tun acht Luftballons in einem großen Netz über dem Altar von St. Albertus Magnus? Das hat sich wohl mancher Kirchenbesucher beim Pfarrfest am 12. Juli 1998 gefragt. Sie standen für die acht Buchstaben G-E-M-E-I-N-D-E und symbolisierten die Träume, die acht Kirchenbesucher an diesem Sonntagvormittag vom Ambo aus vortrugen. Und so lauteten sie:




Ich träume von einer Gemeinde, in der es für jeden Jugendlichen eine Gruppe gibt, in der er sich angenommen und zu Hause fühlt.




Ich träume von einer Gemeinde, die nach innen allen Generationen einen festen Platz, einen sicheren Halt gibt, die nach außen unser Gottvertrauen und Christsein für andere sichtbar und attraktiv werden lässt.




Ich träume von einer Gemeinde, in der es viele Kinder gibt, in der viele Feste gefeiert werden und in der alle freundlich sind.




Ich träume von einer Gemeinde, die ältere Leute nicht ausgrenzt, sondern ihnen hilft, ihren mühsamen Weg mit Würde zu gehen.




Ich träume von einer Gemeinde, die uns ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt, in der wir als Familie ein Teil einer großen Familie sind.




Ich träume von einer Gemeinde, der es gelingt, ihre Lebendigkeit nicht nur durch die Anzahl von Aktionen auszudrücken, sondern vor allem durch die Tiefe ihres Glaubens- und Gebetslebens.




Ich träume von einer Gemeinde, die einerseits bewährte Traditionen beibehält, andererseits aber offen und bereit ist, sich auch mit neuen Impulsen auseinanderzusetzen und sie anzunehmen, wo sie sinnvoll erscheinen.




Ich träume von einer Gemeinde, in der das Helfen und einander Dienen einen breiten Raum einnimmt, und jeder - unabhängig von seiner Bildung und Stellung - seine von Gott gegebene Gabe so einbringt, dass unser gemeinsamer Glaube gelebt, und die Frohbotschaft an ALLE, auch an die noch Außenstehenden, weitergegeben wird.



Wovon prominente Kirchenleute träumen

 

Roman Bleistein (1928 - 2000),  
aus einem Manuskript des verstorbenen Jesuiten
(aus Münchner Kirchenzeitung vom 15.10.2000)

bulletIch träume von einer Kirche,  
der die alltägliche und selbstlose Liebe wichtiger ist als die Lehren aus dem Katechismus und die Normen des Kirchenrechts.

bulletIch träume von einer Kirche,  
die nicht immer auf die Antworten aus Rom wartet, sondern sich auf den schöpferischen Geist verlässt, der allen Christen, Männern und Frauen, gegeben ist.

bulletIch träume von einer Kirche,  
die die Gleichheit aller Christen durchsetzt, die Würde der Frau sichtbar macht und endlich allen Klerikalismus überwindet.

bulletIch träume von einer Kirche,  
in der man nicht in Rom Bischöfe ernennt, die das Volk Gottes nicht annimmt und die am Ende weder der Wahrheit noch der Einheit dienen.

bulletIch träume von einer Kirche,  
die sich von den Menschen in Pflicht nehmen lässt: von Armen und Kranken, von den Flüchtlingen, von den wiederverheirateten Geschiedenen, von der nach Sinn verlangenden Jugend.

bulletIch träume von einer Kirche,  
die in der Verkündigung und in der Feier der Liturgie eine Sprache spricht, die zumal die jungen Menschen verstehen.

bulletIch träume von einer Kirche,  
die weder im Vatikan noch in den Ordinariaten meint, meinen Glauben bevormunden zu müssen.

bulletIch träume von einer Kirche,  
die zu feiern und zu beten versteht, die mit mir lachen und trauern kann, immer in Gemeinschaft mit allen Menschen.

bulletIch träume von einer Kirche,  
die eine anziehende und wärmende Gemeinde ist und jeden einlädt und umschließt, der sich der armen und Not leidenden Menschen wegen aufreibt.

bulletIch träume von einer Kirche,  
die mich am Ende meines Lebens begleitet und mir in meinen letzten Atemzug hineinruft: Du wirst ewig leben.

 




Wie Kardinal König (1905 - 2004), der verstorbene Wiener Alterzbischof sich seine Kirche wünschte:

 
Die Kirche Christi soll sein

eine einladende Kirche, eine Kirche der offenen Türen, eine wärmende, mütterliche Kirche. Eine Kirche der Generationen, eine Kirche der Toten, der Lebenden, der Ungeborenen, eine Kirche derer die vor uns waren, die mit uns sind und die nach uns kommen werden.

Die Kirche Christi soll sein

eine Kirche des Verstehens und Mitfühlens, des Mitdenkens, des Mitfreuens und Mitleidens, eine Kirche, die mit den Menschen lacht und mit den Menschen weint. Eine Kirche der nichts fremd ist und die nicht fremd tut, eine menschliche Kirche, eine Kirche für uns.

Die Kirche Christi soll sein

eine Kirche, die wie eine Mutter auf ihre Kinder warten kann und die ihre Kinder sucht und ihnen nachgeht. Eine Kirche, die die Menschen dort aufsucht wo sie sind: bei der Arbeit und beim Vergnügen, vor dem Fabriktor und auf dem Fußballplatz und daheim, in den vier Wänden. Eine Kirche der festlichen Tage und des täglichen Kleinkrams, eine Kirche die nicht verhandelt und feilscht, die nicht Bedingungen stellt oder Vorleistungen verlangt.

Die Kirche Christi soll sein

eine Kirche die nicht politisiert, die nicht moralisiert, die nicht Wohlverhaltenszeugnisse verlangt oder ausstellt, eine Kirche der Armen, der Kleinen und Erfolglosen, Mühseligen und Beladenen. Eine Kirche auch der Scheiternden und Gescheiterten im Leben, im Beruf, in der Ehe - und wir fügen hinzu: in der Kirche.

Die Kirche Christi soll sein

eine Kirche derer, die im Schatten stehen, der Weinenden und Trauernden, eine Kirche der Würdigen aber auch der Unwürdigen, der Heiligen aber auch der Sünder. Eine Kirche nicht der frommen Sprüche, sondern der stillen, helfenden Tat. Eine Kirche des Volkes.



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Last updated 11.01.10