St. Albertus Magnus Ottobrunn

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Gedanken von Erwin Obermeier

zum Wandteppich von Magdalena Bernhardt und dem "Globalen Kreuzweg" von Jörg Kicherer

Pfarrer Erwin Obermeier hat unsere Pfarrei von 1981 bis 1997 geleitet. Während dieser Zeit wurden u.a. sowohl der Wandteppich, der "Globale Kreuzweg" als auch das Glasfenster über der Orgelempore angeschafft.


"ICH BIN IMMER FÜR EUCH DA"

Gedanken zum Wandteppich in unserer Kirche

"Jahwe heiße ich - ich bin für euch da", so offenbarte sich Gott dem Mose (Ex 3,14). Das Feuer mitten in der Wüste, auf dem dornigen Gestrüpp, machte dem Volk in der Aussichtslosigkeit in Ägypten und in der Ausweglosigkeit der Wüste Mut, daran zu glauben, dass sie durch Gott Zukunft haben werden.
Am lodernden Dornbusch, der nicht verbrannte, begriff Mose auch Gottes Zusage: "Jahwe - das ist mein Name für immer, und so wird man mich nennen in allen Generationen" (Ex 3,15).


Darin wurzelt zutiefst auch unser Glaube. Und so passt das Bild des brennenden Dornbuschs in den Mittelpunkt unserer Kirche, weil es uns diese bleibende Verheißung Gottes, von der wir heute noch und morgen leben, anschaulich vergegenwärtigt. Es hilft verstehen, was wir im Lesegottesdienst der Osternacht gläubig beten: "Gott, deine uralten Wunder leuchten noch heute in unseren Tagen ...". Und zugleich bringt es Kreuz, Altar und Tabernakel in unserer Kirche deutend in Beziehung.

Wandteppich, Magdalena Bernhardt, 330 x 200 cm, Seide, 1986

Das Kreuz Jesu war gewiss der dürrste, der hoffnungsloseste Baum, der je in dieser Welt stand. Am Kreuze hängend hat der Sohn Gottes, unser Bruder, das ratlose und verzweifelte "Warum" allen Menschenleidens und Menschensterbens in die Welt hinaus geschrien: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mt 27,46).

Am Kreuze Jesu loderte aber auch der Name Gottes "ich bin für euch da" am mächtigsten auf; in der Auferstehung Jesu hat er ihn unüberbietbar für Jesus und für uns alle wahr gemacht.

Jesus, den wir in seinem Tod und in seiner Auferstehung am Altar gegenwärtig wissen, er ist nun für uns die bleibende Gewissheit der Treue Gottes. So kann er auch Gottes Namen tragen: "Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt" (Mt 28,20). Der Tabernakel mit dem Sakrament seiner Gegenwart und Liebe ist uns ein Zeichen dafür. Und das "ewige Licht" davor, die kleine Flamme auf dürrem Zweig, begreifen wir als einen Funken von jenem lodernden Feuer in der Wüste. Er brennt heute noch in den "Wüsten", in denen wir zu leben haben, und versichert uns, dass Gottes "erste Liebe" auch uns noch ungeschmälert gilt.

Das macht uns Mut, heute noch Glauben zu wagen, Gemeinde zu leben und Kirche zu bauen, weil wir vertrauen können, dass Jesu Nähe in seinem Wort und Sakrament unsere Herzen - so dürr, so hoffnungslos, so ausgebrannt sie auch sein mögen - zum Brennen bringen kann wie die der Jünger auf dem Weg nach Emmaus (Lk 24,32); weil wir glauben können, dass Gottes Kraft und Feuer auch auf uns Verzagte, Ängstliche und Mutlose herabkommt wie am Pfingstfest auf die Jünger hinter Mauern und verschlossenen Türen (Apg 2,3).

So ist das Bild des brennenden Dornbuschs in unserer Kirche nicht aufwendige Dekoration für die Feier des Gottesdienstes. Mit seiner Aussage ist es für uns ein Verkündigungsträger, der uns wichtig ist, damit wir als Christen und als Gemeinde - auch wenn wir oft genug wie ein dürres Gestrüpp aussehen - Hoffnungsträger sein können mitten in unserer Welt.

Es hilft uns, Christen zu sein, "die nicht aufhören können, von ihrer Hoffnung zu singen und zu träumen und darin einen unersetzlichen Dienst an der Menschheit sehen. Wir feiern nicht, um dem Alltag zu entfliehen, sondern um ihn in der Kraft Gottes zu bestehen, im Dienst am Nächsten" (Würzburger-Synode-Beschluss, Gottesdienst).

Was immer wir "im Namen" Gottes beginnen, und wo immer wir beten "geheiligt werde dein Name" - immer stellen wir uns hinein in das nicht verlöschende Feuer der Treue Gottes, die heißt: "Jahwe - ich bin immer für euch da."

"Der Name des Herrn sei gepriesen, von nun an bis in Ewigkeit."

 

GOTT LIEBT DIESE WELT

Gedanken zum "Globalen Kreuzweg" in unserer Kirche

Erinnern wir uns noch an die Bilder von unserer Erde, die die ersten Mondfahrer 1969 aus dem All mitgebracht haben? Wie ein kostbarer Edelstein funkelt da der "blaue Planet", leuchtend, klar und sauber. Und wenn es Lebewesen darauf gibt, dann kann dieser Planet nur ein Ort des Friedens und der Harmonie sein. - Meint man! Es ist, als würde sich beim Anblick dieser Bilder das jüdische Sprichwort geradezu verhängnisvoll bewahrheiten:
"Man muss nur hoch genug hinaufsteigen, um das Paradies zu sehen." Nein, ein Paradies ist unsere Erde, wenn wir auf dem Boden der Wirklichkeit bleiben, gewiss nicht! Dafür gibt es viel zu viel Not und Elend, Hunger und Gewalt in unserer Welt.

Weltraumfoto: Der Blaue Planet

Auch ist sie nicht so unberührt und sauber, wie es vom Mond aus aussieht, sondern sie ist schwer belastet und in ihrer ursprünglichen Schönheit zerstört. Dass an diesem elenden Zustand der Welt und der Menschen wir alle miteinander nicht unbeteiligt und unschuldig sind, wissen wir.

In unserer Kirche steht ein künstlerisches Objekt, das man unschwer als eine Darstellung unserer Erde erkennen kann. Aber diese Welt ist kaputt und zerstört, ausgeraubt und ausgebrannt, verbraucht und verödet. Die Menschengestalten auf diesem Globus passen genau zu seinem Zustand; sie sind zusammengebrochen, geschunden und geschlagen, am Ende ihrer Kraft, ums Leben gebracht, tot. Auch dieses Bild von unserer Welt stimmt so nicht. In Wirklichkeit ist sie noch schön, bunt und lebendig; und auch die Menschen auf ihr leben anders, vielfach freundlich, friedlich und glücklich.

In diesem Objekt haben wir eine Vision vor Augen, wie unsere Welt einmal aussehen könnte, wie sie aber niemals aussehen darf; nicht um Gottes Willen und nicht um der Menschen Willen! So hat sie Gott nicht gewollt und so können Menschen nicht auf dieser Welt leben. Der Künstler hat diese Arbeit "Globaler Kreuzweg" genannt. Mit Kreuzweg meinen wir zuerst den Ort und den Weg des Leidens Gottes. Die ganze Welt ist dieser Ort und dieser Weg. Gott leidet und es tut ihm weh, wo immer wir mit seiner und mit unserer Welt zerstörerisch umgehen. Gott leidet und es tut ihm weh, wenn Menschen leiden, weil wir auf unserer Welt miteinander unmenschlich umgehen. Wo immer dies geschieht, hat es etwas zu tun mit dem Leidensweg Jesu und mit dem Leiden Gottes an dieser und in dieser Welt.

Jörg Kicherer: "Globaler Kreuzweg", 1990
Darum können wir bei genauem Hinsehen in den Figurengruppen die 14 Stationen des Kreuzweges Jesu erkennen, verteilt auf die ganze Welt.

Dieser "Globale Kreuzweg" in unserer Kirche ist deshalb für uns mehr als ein Schmuckstück. Dazu ist er auch viel zu wenig "schön" im herkömmlichen Sinn. Er ist für uns vielmehr so etwas wie ein "Denkmal". Nicht eines, das uns an ein Ereignis in der Vergangenheit, sondern mehr eines, das uns an die Zukunft erinnert. Es ist ein "Nachdenk-Mal" über unsere Welt und über uns Menschen. Und wir verstehen es nur dann richtig, wenn es für uns auch ein "Umdenk-Mal" wird, das uns zur "Buße und zur Umkehr" zu Gott und seiner Idee von seiner und unserer Welt antreibt, wie sie der Prophet Jesaja einst formulierte: "Der Herr, der den Himmel erschuf, er ist der Gott, der die Erde geformt und gemacht hat; er ist es, der sie erhält. Nicht als Ode hat er sie erschaffen, zum Wohnen hat er sie gemacht" (Jes 45,18).

Ja, wir leben auf dieser Erde und wir haben dafür zu sorgen, dass sie eine Welt zum Wohnen bleibt und nicht zur Ode wird. Dabei müssen wir uns aber im Klaren sein: Zum Paradies werden wir sie nicht machen können. Das Kreuz in seinen unendlich vielen Formen wird bleiben - auf der ganzen Welt. Wir werden es immer zu tragen und auszuhalten haben. Seit dem Tod Jesu am Kreuz wissen wir aber, dass das Kreuz durch die Kraft und die Liebe Gottes zu seiner Welt zu einem bleibenden wegweisenden Zeichen zum Leben geworden ist. "Es steht das Kreuz, derweil die Welt sich dreht" kann es deshalb hoffnungsvoll in einem altkirchlichen Hymnus heißen. So steht es auch ganz oben auf unserem "Globalen Kreuzweg".

In seinem Leiden und Sterben ist Jesus aber auch in die tiefste Tiefe dieser Welt hinabgestiegen; er ist hinein begraben wie ein "Weizenkorn, das in die Erde fallen muss, damit es viele, reichere, ja bleibende Frucht bringen kann" (vgl. Joh 12,24). Da ist die letzte "Station" des Kreuzwegs im Innern des Globus. Wir haben hier eine moderne, tiefsinnige Darstellung des "Heiligen Grabes" vor uns. Es führt uns hin zum Osterfest, zum Fest des Lebens, an dem wir (besonders im weihnachtlichen und österlichen Schmuck) im Bild unserer bedrohten und vielfach verdorbenen Welt immer noch und immer wieder einen Baum des Lebens erkennen können, an dem Gott am Werk bleibt. Darum beten wir auch gläubig im IV. Kanon der Messe: "Und wenn die ganze Schöpfung von der Verderbnis der Sünde und des Todes befreit ist, lass uns zusammen mit ihr dich verherrlichen in deinem Reich durch unseren Herrn Jesus Christus."

Gott liebt diese Welt. Er rief sie ins Leben.
Gott ist's der erhält, was er selbst gegeben.
Gott gehört die Welt.
Gott liebt diese Welt. Ihre Dunkelheiten hat er selbst erhellt. Im Zenit der Zeiten kam sein Sohn zur Welt.
Gott liebt diese Welt. Durch des Sohnes Sterben hat er uns bestellt zu des Reiches Erben.
Gott erneut die Welt.
Gott liebt diese Welt. Er wird wiederkommen, wann es ihm gefällt, nicht nur für die Frommen, nein für alle Welt.
Gott liebt diese Welt, und wir sind sein Eigen. Wohin er uns stellt, sollen wir es zeigen:
Gott liebt diese Welt. (GL Nr. 297)



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Last updated 11.01.10