St. Albertus Magnus Ottobrunn

[ nach oben ]
 

 

Wir haben eine eigene Monstranz

 

Nach über 20 Jahren hat sich unsere junge Gemeinde, zu Ostern 2000, ihre erste Monstranz angeschafft. Die in früheren Jahren, während der Amtszeit von Pfarrer Obermeier, verwendete Monstranz, war eine Leihgabe.
Hier einige Überlegungen zu diesem liturgischen Gerät von Pfarrer Dr. Czeslaw Lukasz:

Der Ursprung

Die Monstranz (vom lat. monstrare = zeigen) ist ein Schaugefäß für die heilige Hostie, die in ihr zur Anbetung ausgestellt wird. Ursprung der Monstranzen sind die Zeigegefäße für die Reliquien, die sog. Reliquiare. In ihnen waren die Reliquien eines Heiligen durch Glas oder Kristall hindurch dem Auge dargeboten.

Die Erfindung und Verwendung der Monstranz in der Liturgie, hängt mit dem Wandel im Verständnis der Eucharistie zusammen, der sich im 11. Jh. vollzogen hat. Die alte Auffassung der Eucharistie war, dass ihre Feier der Heiligung der Teilnehmer dient: Die Heil bringende Wirkung der Eucharistie und nicht so sehr die Gegenwart Christi in Brot und Wein stand im Vordergrund. Seit dem 11. Jh. dagegen konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die reale Präsenz Christi in der Hostie. Die Gläubigen wollten die Hostie sehen, um sie anzubeten. So entstanden die eucharistischen Andachten vor dem ausgesetzten Allerheiligsten und auch, seit dem 13. Jh., die Fronleichnamsprozession. Für diese Frömmigkeitspraxis wurde das Zeigegerät, die Monstranz, benötigt.

Zur äußeren Formgebung

Der Besucher eines Diözesanmuseums oder Teilnehmer an der Fronleichnamsprozession einer alten Pfarrei kann nur staunen über Pracht und Vielfalt der Formen. Aus der Gotik stammen turmförmige Monstranzen, aus der Renaissance die scheibenförmigen Sonnenmonstranzen, die im Zuge der Gegenreformation im Barock besonders prunkvoll waren. Sie nehmen später auch die Form eines Strahlenkreuzes an. Symbolträchtige Motive, wie z.B. der Lebensbaum, finden auch Anwendung. Monstranzen neuster Zeit vereinfachen meistens die überlieferten Typen. Sie werden nüchterner in der Gestaltung.

Unsere eigene Monstranz

Bei der Beauftragung des Künstlers war unser Anliegen, den Stil unserer Kirche zu berücksichtigen. So übernimmt unsere Monstranz die Form der Mandorla von unserem Auferstehungskreuz. Den Platz des auferstandenen Christus nimmt die Hostie ein. Das hat eine vielfache, tiefe theologische Bedeutung: Die Eucharistie ist das Geschenk des Auferstandenen, die Eucharistie ist die Feier des Todes und der Auferstehung Christi, die Eucharistie öffnet die Augen für den Auferstandenen wie bei den Emmaus-Jüngern. Unsere Monstranz ist aus Silber und hat nicht so sehr eine zeigende, sondern vielmehr eine bergende Form:
Der Herr ist in ihr geborgen, so wie er geborgen ist in unseren eucharistischen Feiern.
Klaus Backmund, Monstranz, Silber, 2000

Wann findet eine Monstranz heute noch Verwendung?

Nach dem II. Vatikanum hat die Monstranz offensichtlich an Bedeutung im katholischen Kult verloren. Das hängt damit zusammen, dass die konziliare Liturgiereform wieder zur ursprünglichen Auffassung der Eucharistie als der heilbringenden Feier des Todes und der Auferstehung Christi zurückkehrt. Deshalb wird in modernen Kirchen der Tabernakel nicht hinter dem Altar aufgestellt, sondern außerhalb des Altarbereiches, der der Feier der Eucharistie dient und nicht der Anbetung des Allerheiligsten.

Dieses Umdenken hat einen Rückgang der eucharistischen Andachten und der eucharistischen Frömmigkeit zur Folge. In diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache zu verstehen, dass unsere junge Gemeinde bisher keine eigene Monstranz hatte. Bei den folgenden Feiern wird die Monstranz gebraucht: Bei der Fronleichnamsprozession, der Anbetung nach der Gründonnerstagsliturgie, bei der Andacht mit den Erstkommunionkindern, u.a.

Der Künstler

Unsere Monstranz wurde, in enger Abstimmung mit Pfarrer Lukasz, von dem Münchener Bildhauer Klaus Backmund entworfen, der bereits die meisten Kunstwerke in unserer Kirche geschaffen hat. 

 

Pfarrer Lukasz und Bildhauer Klaus Backmund, Palmsonntag 2000

 



Copyright © 10 / 1999 - 2009 by Dieter Herberhold
Last updated 06.12.07