St. Albertus Magnus Ottobrunn

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im  Interview

 

 
Werner Persy, Begegnung, 2000, Öl auf Leinwand, 70 x 55 (cm)

Dr. Bärbel Schulte interviewte Werner Persy im November 2000, anlässlich der Verleihung des Ramboux-Preises der Stadt Trier für sein Lebenswerk.

(Quellennachweis: Katalog zur Ausstellung im Städtischen Museum Simeonstift Trier vom 24.11.2000 - 28.2.2001)

 

 
Bärbel Schulte:
Was veranlasste Sie dazu, die Bildende Kunst zu Ihrem Lebensziel zu machen, wer hat Sie gefördert?

Werner Persy:
Als ich noch ein Kind war, hat meine Mutter immer gesagt: "Dem braucht man nur einen Stift in die Hand zu geben, dann ist er versorgt!" Später, in meinem Abiturzeugnis stand als Berufsempfehlung: "Eignet sich für einen schöpferischen Beruf." Damit war mein weiterer Weg eigentlich schon vorgezeichnet.
Während meiner Militärzeit als Flieger habe ich nachts die Hände und Füße meiner Kameraden gezeichnet. Angesichts des kriegerischen Geschehens reifte dann der endgültige Entschluss, nach dem Krieg eine friedliche Tätigkeit auszuüben, Maler zu werden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Trierer Künstlern, die ihre Ausbildung an der Kunstgewerbeschule erhalten haben, sind Sie unmittelbar nach dem Krieg zum Studium an die Kunstakademie Düsseldorf gegangen. Was hat Sie damals dazu bewogen? Was bedeutete die Düsseldorfer Akademie damals in der Kunstszene?

Nach der glücklichen Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft stand am Anfang meine Bewunderung für die Malkultur des Trierer Malers Fritz Reuter, bei dem mein Vater sich auch vergewisserte, ob ich das Risiko eines "Malers" in diesen schweren Nachkriegszeiten eingehen könne. Fritz Reuter verwies mich nach Düsseldorf an die Staatliche Kunstakademie, denn die Kunstakademie München hatte im Januar 1945 noch nicht wieder geöffnet. So bin ich also mit meinen Kohlezeichnungen unter dem Arm zur Bewerbung in einem Kohlenzug nach Düsseldorf gereist. In der Akademie kam ich dann sofort zu den Professoren Schmurr und Pankok.

Wie kam es, dass Sie die freie Kunst wählten und nicht zumindest zeitweise das Lehramt anstrebten?

An der Düsseldorfer Akademie habe ich ganz bewusst die freie Malklasse gewählt, statt an der Tür nebenan für das künstlerische Lehramt anzuklopfen. Meine idealistische Einstellung gebot mir, mein persönliches Existenzrisiko nicht auf den Schultern von Kindern zu gründen.

Was hat aus der Düsseldorfer Zeit nachhaltig gewirkt? Was ist Ihnen an geistigen Impulsen geblieben?

Meine Studienzeit - verbunden mit Hunger und bitteren Entbehrungen - hat mich gelehrt, auch unter Verzicht meinen Weg zu gehen. Die Charakterfestigkeit von Friedrich Schmurr und seine Fähigkeit, mit meisterhafter Malkultur die einfachen Dinge des Lebens ihrer Banalität zu entheben, haben mich als Malschüler begeistert. Bei Otto Pankok hat mich seine Ehrlichkeit, Beständigkeit und Beschränkung der Mittel besonders geprägt.

Ihr Lehrer Otto Pankok wurde als couragierter, kritischer Ankläger seiner Zeit von den Nationalsozialisten verfolgt und mit Berufsverbot belegt, über 50 seiner Werke aus deutschen Museen waren 1937 beschlagnahmt und zerstört worden. Pankok, den Heiner Müller einmal als den "Arbeiter der Kunst" bezeichnet hat, wurde nach dem Krieg gewissermaßen eine moralische Instanz. Trotz vieler Rückschläge hat er sich eine bewundernswürdige Haltung im Geiste von Humanität und Toleranz bewahrt, blieb den Menschen gegenüber voller Liebe und der Natur gegenüber voller Demut. Viel von dieser Haltung scheint mir auch in Ihrem Schaffen, was haben Sie von Pankok gelernt und welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Sich nicht beirren zu lassen von den jeweiligen Zeitströmungen, gegen alle Widerstände, das konnte Otto Pankok mir vermitteln.
Eine andere Erinnerung an ihn ist übrigens ganz lustig. Ich bin öfter mit ihm durch die Felder der Provence gezogen, um dort zu malen. Obwohl Pankok von relativ großer Gestalt war, sah man dann von ihm hinter einem
riesigen Zeichenbrett nur einen Hut und zwei schreitende Beine.
In der Beschränkung auf das Wesentliche suche ich das Innere oder die Seele
von Landschaft und Mensch freizulegen und mitzuteilen und dabei auch zu übersteigern. Ich bezweifle, dass Bildende Kunst die Menschen verändern oder verbessern kann, aber man kann das Bewusstsein verändern und erweitern. Die Avantgarde hat mich nie sonderlich interessiert, sondern ich versuche, in meiner Sprache und mit meinen Möglichkeiten, das zurückzugeben, was das Leben mir gibt. Wenn man sich sagen kann, du hast aus deinen Fähigkeiten ehrlich das Beste gemacht, dann hat sich der Einsatz als Maler gelohnt.

Kommen wir zur "Gretchenfrage": Offensichtlich hat auch die Religion, der christliche Glaube, einen starken Einfluss auf Sie ausgeübt. Neben Landschaften und Menschendarstellungen spielen alttestamentarische Motive eine große Rolle in Ihrem Werk. Was bedeutet Ihnen der Glaube?

Ich bin ein gläubiger Mensch, in jeder ehrlichen Bildgestaltung sehe ich einen Beweis für die schöpferische Kraft, die Gott in den Menschen gelegt hat, egal, ob das Ergebnis gegenständlich oder ungegenständlich ist.
Meine Beschäftigung mit dem Alten Testament, etwa gleichzeitig mit dem Beginn meiner Holzschnitte, entspringt
- nicht zuletzt in der Rückbesinnung auf Otto Pankok - meinem Bedürfnis nach einer Aussage über das Wesen unseres Menschseins. Dabei liefert der Klärungsprozess der Zeit zurück zum Alten Testament bildhaftes Anschauungsmaterial.
Die Endgültigkeit der Holzschnitt-Technik entspricht dabei voll meinen Bemühungen. Jeder Schnitt ist eine Entscheidung.

Sie haben in den siebziger Jahren auch kurzfristig den Weg in die Abstraktion eingeschlagen. Die Arbeiten dieser Zeit erinnern mich ein wenig an Serge Poliakoff. Warum sind Sie diesen Weg nicht weitergegangen?

Den weiteren Weg zur vollständigen Abstraktion habe ich nicht verfolgt, weil ich für meine Entwicklung darin eine Sackgasse sehe, auch "l'art pour l'art" genügt mir nicht. weil ich eine Aussage an die Menschen machen möchte. Ich möchte nicht im Elfenbeinturm sitzen, sondern meine Erfahrungen aus dem Leben auf meine Weise den Menschen zurückgeben.

Welche anderen Künstler schätzen Sie besonders, welchen Einfluss haben sie auf ihr Werk ausgeübt und wie hat sich dieser Einfluss im Laufe der Jahre verändert?

Von Rembrandt ausgehend bin ich schnell zu Pieter Brueghel gekommen, an dessen Werk mich die unverstellte Offenlegung menschlichen Lebens in Höhen und Tiefen begeisterte. Die Steigerung ins Expressive kam dann durch die Beschäftigung mit den Brücke-Künstlern und ihrem Umfeld. Dabei zwangen mich meine Bemühungen um den Holzschnitt zunehmend zu Vereinfachung und Übersteigerung, auch zu weiterer lntensivierung der Farbe, was sich auch in meiner Bewunderung z.B. für Emil Schumacher, die Fauves oder Serge Poliakoff zeigt.

 
"... Werner Persy ist ein sehr gut beobachtender und nachdenklicher Mensch. Seine Arbeiten werden getragen von einer ausgeprägten Liebe zu den Menschen, Respekt vor dem Leben und einem oft kindlichen Staunen vor der Schönheit der Natur. Wenn man sich auf seine Arbeiten einlässt, können sie über ihre ästhetische und auch durchaus dekorative Wirkung hinaus wesentlich tiefere Einsichten und Inhalte vermitteln." Dr. Jürgen Grabbe
  Paar in der Provence,
  1985, Öl auf Leinwand
Mittelmeer-Dorfbild,
1985, Öl auf Leinwand
Vogelsturz, 1963,
Öl auf Holz
Säulen auf Ca'Nai,
1995, Öl auf Leinwand

Baum mit Köpfen, 2000,
Öl auf Leinwand

 

 

Aus der Zeit kurz nach dem Krieg stammt unter anderem eine zeichnerische Bestandsaufnahme des zerstörten Trier. Auch für den Wiederaufbau der Steipe haben Sie sich sehr engagiert. Von 1994 bis 1999 waren Sie Mitglied der Bischöflichen Baukommission. Wie ist es zu dieser Tätigkeit gekommen und welche Erfahrungen haben Sie im Laufe dieser Zeit im Bereich der Denkmalpflege gemacht?

Dankbarkeit nach der glücklichen Heimkehr aus dem Krieg und die Liebe zu meiner Heimatstadt gaben mir die Verpflichtung auf, meinen bescheidenen Beitrag zum Wiederaufbau der Stadt zu leisten. Nicht zuletzt auch die Gewissheit, dass man nur durch persönlichen Einsatz etwas verändern oder verbessern kann.
Eine wichtige Erfahrung in dieser Zeit war, dass auf Grund der Wohnungsnot viele unüberlegte und überhastete Entscheidungen getroffen wurden und dabei viele
alte, wertvolle Bausubstanz zerstört wurde. Und selbst in dieser schweren Zeit des Wiederaufbaus hat die
Bürokratie oftmals Entscheidungen forciert, die aus ästhetischem Gefühl heraus in Ruhe hätten getroffen werden müssen.

Sie haben auch viele Arbeiten im öffentlichen Raum ausgeführt. Wo sind in Trier beispielsweise Werke von Ihnen vorhanden?

An Wandmalereien: im Brüderkrankenhaus (die Eingangswand, zurzeit verdeckt), im Angela Merici-Gymnasium, im Speegymnasium, im Caritasheim Tobias-Haus in Quint und in der Sternstraße die Prozessionswand ("Teeladen").
An Mosaiken: im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (die Eingangswand), in St. Gangolf (Michaelsturm), eine Natursteinwand im Brüderkrankenhaus und die Rückseite der Peter-Friedhofen-Statue.
An Fenstern: im Brüderkrankenhaus, in St. Gangolf und im Böhmerkloster

Als freischaffender Künstler mit einer Ausbildung der Düsseldorfer Akademie sind Sie, abgesehen von zahlreichen Reisen, nie aus Trier weggegangen. Was verbindet Sie mit dieser Stadt?

Die große geschichtliche Vergangenheit und das vertraute Flair binden mich in liebevoller Weise an meine Geburtsstadt.

Ihre Reisen führen Sie regelmäßig in die Provence, zahlreiche Aquarelle und Ölgemälde zeugen davon. Was zieht Sie immer wieder gerade dorthin, was ist die besondere Faszination dieser Landschaft?
 

Werner Persy, Südliches Gehöft in grünen Feldern (Provence), 1999, Öl auf Leinwand, 60 x 70 (cm) Die Provence mit ihrer großen Vielfalt der Vegetation auf kleinem Raum und ihrem unnachahmlichen Licht ist mir vor allen anderen Landschaften, die ich kenne, Quell der Inspiration und der Schaffenskraft. Auf der Fahrt dorthin lässt mich das Schild "Vous êtes en Provence" innerlich aufleben. Dort werde ich am ehesten eins mit der Natur.
 
Die abschließende Frage: Ist Künstler zu sein eine Lebensaufgabe oder glauben Sie, dass auch für Sie einmal der wohlverdiente Ruhestand eintreten kann?

Nein! Das Bedürfnis, mich zeichnend oder malend auszudrücken, wird mich nicht loslassen solange meine Kräfte reichen!

 
 
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Last updated 11.01.10