Predigten 2006


Gedanken zur Lesung Röm 12, 9-16
 
Predigt von Pfarrer Johannes Minkus, ev. Michaelskirche Ottobrunn, zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen, 29. Januar 2006
 
 
 
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Liebe Schwestern und Brüder,

ich danke ganz herzlich für die Einladung und die Möglichkeit, hier heute Morgen für Sie die Predigt halten zu können. Es ist mir eine große Ehre!
In diesem kleinen Abschnitt des Römerbriefes – den Sie gerade in der Lesung gehört haben - erwarten Sie etliche Ermahnungen - weckt das Ihre Befürchtungen? Vielleicht werden Sie bekräftigt in der Abwehrhaltung, dass Christsein eine höchst langweilige Sache ist, vor allem definiert durch Verbote hier und Abgrenzungen da? Paulus mutet uns gleich 21 Ermahnungen am Stück zu, dabei fehlen noch Verse danach. Ermahnungen sind das Allerletzte, was wir brauchen, sagen viele.

Als wir Kinder waren, da wurden wir alle viel ermahnt. Erinnern Sie sich? Reinhard Mey erwischt sich in einem Lied dabei, dass er immer wieder seine Kinder mit den Sprüchen ermahnt, die er selbst als Kind schon gehasst hat.

Mach die Tür zu, ohne sie zuzuschlagen!
Sieh auf die Uhr, du hast den Bus verpasst!
Muss ich denn immer alles dreimal sagen!
Wie hab ich diesen Spruch als Kind gehasst!

Gut. Jetzt hab' ich Sie genügend vorgewarnt. Jetzt hören wir noch einmal Paulus selbst an:

Römer 12, 9-16
9
Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! 10 Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! 11 lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! 12 Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! 13 Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! 14 Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! 15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden! 16 Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig! Haltet euch nicht selbst für weise!

Das ist ein bisschen viel auf einmal. Das kann man ja kaum behalten, wenn man es nur einmal vorgelesen bekommen hat. Ich will Ihnen helfen! Was macht man in Mathe, wenn ein unglaublich komplizierter Bruch vor einem auf dem Papier steht? Man schaut, ob man nicht irgendwo kürzen kann. Versuchen wir zu kürzen: Was sind die wichtigsten Elemente in diesem Abschnitt von Paulus?
Paulus beschäftigt sich mit der Frage: Worauf kommt's an im Leben als Christ? Ich versuche einmal, die vielen Ermahnungen von Paulus zusammenzufassen in drei Begriffen. Im Leben als Christ braucht es:

Feuer, Freude und Freundschaft.

1. Feuer

Es kommt im Christsein auf das Feuer an. Da hat also ein richtiges Element der Elemente Feuer Wasser und Erde auch unsere geistliche Welt erreicht. Seid brennend im Geist, sagt Paulus.
Ein Brennen, das haben wir nötig. - O dass bald dein Feuer brennte, du unaussprechlich Liebender - das bittet ein Liederdichter schon vor 200 Jahren, dass in dieser Kirche Gottes Geist neu ansteckt, dass immer wieder Pfingsten wird und die Kirche immer wieder neu wird, dieses Brennen haben wir nötig.
Daran ist lebendiges Christsein zu erkennen: Ob da ein Feuer brennt, oder ob die Flamme flackert oder ob man aus Energiespargründen lieber auf Sparflamme fährt. Teelicht! Dieses Feuer brennt in nicht wenigen Menschen in unserer Gemeinde.
In Neubiberg – wo ich vor allem tätig bin - haben wir vor, Anfang Oktober einen Volkslauf zu organisieren, die Katholiken und wir: Ökumene läuft. Großes Ding, aber schon jetzt ist das kleine Team, das das anpacken will, Feuer und Flamme. Das Feuer ist wichtig, die Leidenschaft.

Unser Christsein kann doch nur ansteckend werden, wenn wir brennend im Geist sind. Wenn man das große Bild anschaut, dann sieht man allerdings nicht nur Feuer und Leidenschaft. Wir in der Kirche sind etwas mutlos geworden über die Jahre. Jetzt ist etwas weniger Geld in der Kasse und gleich sehen wir die ganze Gemeindearbeit dahin schmelzen. Schnell werden wir mutlos. Vielleicht ist gerade jetzt der Moment, wo wir uns darauf besinnen, was wirklich wichtig ist?.

Unsere Kirche, unsere Gemeinde hat Perspektive, hat Verheißung, wenn wir uns anstecken lassen von der Liebe Jesu Christi. Vom Feuer des Geistes. Das Fett wird dabei verbrennen und es wird spürbar sein, dass Gott Leben schenkt.
Wir spüren das doch, wenn jemand solch ein Brennen hat, wo ein Mensch leidenschaftlich mit Kindern umgeht, wo einer sich einsetzt für die Arbeit, die er zu tun hat, nicht nur um des Geldes willen.
Das ist das erste Element auf das Paulus Wert legt: Feuer.

2. Freude

Friedrich Nietzsche, der große kritische Philosoph sagte einmal, die Christen würde er glaubwürdiger finden, wenn sie erlöster aussehen würden.
Nicht wenige Menschen aus Afrika oder Lateinamerika, die in Deutschland Gottesdienste besuchen, haben den Eindruck, das sei eine permanent traurige Sache. Menschen schauen gesenkten Blickes aneinander vorbei, die Farben sind gedeckt, die Orgel spielt Largo und Adagio, die Predigt verhalten. Gut, ich übertreibe ein bisschen.
Erasmus Alberus, ein Zeitgenosse Luthers hat einmal gesagt: "Wenn die christliche Gemeinde zusammenkommt, so geht es zu, wie wenn jemand zur Hochzeit kommt." Heller Lichterglanz und fröhliche Musik, Menschen in festlich-fröhlichen Kleidern, die einander begrüßen.
Seid fröhlich in Hoffnung, sagt Paulus. Lebt hochzeitlich! Feiert Gottesdienste, wie wenn ihr zur Hochzeit geht. Schließlich hat Jesus erstens eine Hochzeit besucht in Kana und zweitens das Wasser zu Wein gemacht, und nicht umgekehrt.
Seid fröhlich in Hoffnung, sagt Paulus und lässt den Blick nach vorne gehen. Ich bin nicht erst fröhlich, wenn ich auf Erreichtes zurückschauen kann, wenn ich alle Schäfchen im Trockenen habe, das Konto voll, die Gesundheit wieder hergestellt, die Noten der Kinder gut.
Viele denken heute aber eher andersherum: Ich könnte ja fröhlich sein, wenn ich nur noch und etwas mehr ... Ich müsste aber zuvor das und das noch erreichen und dann kann ich fröhlich sein.
Fröhlich in Hoffnung - das bedeutet, ich bin jetzt schon froh, auch wenn ich noch nicht genau sehe, wie mein Weg läuft - ich vertraue darauf, dass Gott es gut macht. In dieser Hoffnung will ich fröhlich sein.

Und dass diese Freude keine Fassade ist, sondern ein ehrliches Geschenk Gottes, das weiß Paulus. Er meint keine Freude, die verächtlich auf Menschen in schweren Situationen herabsieht. Er meint keine Freude, die die Traurigkeit überspielen oder gar unterdrücken muss. Er kann sagen: Freut euch mit den Fröhlichen! Und: Weint mit den Weinenden!
Weint mit den Weinenden! Nicht den 08/15-Spruch aus christlichen Bildkalendern für jede Lebenslage, sondern Dabeibleiben am Schicksal von Menschen!

Das sind die ersten zwei Grundelemente unseres Lebens als Christen: Feuer und Freude und das Dritte:

3. Freundschaft

Darf man das dazu zählen? Nicht jeder Mensch hat Freunde und das soll man niemand zum Vorwurf machen. In einem Lied habe ich mal gehört:

Freunde sind selten und selten bequem
sind manchmal kantig und unangenehm
woll'n nicht gefallen, woll'n zu dir gehören
steh'n auf der Matte, auch wenn sie mal stör'n.

Wenn Sie Freunde haben, dann werden Sie mir wahrscheinlich zustimmen: Freundschaft ist ein hohes Gut und ein zerbrechliches zugleich.

Die Bibel ist das Buch der Freundschaft Gottes. Freundschaft, die er unentwegt anbietet. Freundschaft, die wir immer wieder ablehnen. Ich war etwas im Zweifeln, ob ich Freundschaft als Element, als elementares Zeichen christlichen Lebens herausnehmen soll. Schließt das nicht die aus, denen Freundschaft nicht gelingt? Drückt das nicht die an die Wand, die zerbrochene Freundschaft erlebt haben? Kommt es darauf an?

Paulus redet davon. Von der Freundschaft, von der Geschwisterliebe, von der Philadelphia. Hier ist nicht der Frischkäse gemeint, sondern das griechische Wort. Und Paulus redet von der Gastfreundschaft, die dem Fernen gilt.
Wie sollen Menschen zur Gemeinde finden, wenn wir ihnen nicht mit dem Angebot der Gastfreundschaft signalisieren, dass Gott ein freundlicher, die Freundschaft anbietender Gott ist?
Was gehört nach Paulus zu einem gelingenden christlichen Leben? Feuer und Freude und Freundschaft, Elemente eines Lebens mit Gott.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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Last updated 06.12.07