Predigten 2002

 

Zur PGR-Wahl am 17. März 2002


 
Sonntagspredigt von Dekan Lukasz am 27. Januar 2002
 
 
Dieses Plakat werden Sie in den nächsten Wochen öfter sehen. Es macht auf ein wichtiges Ereignis im Leben der Pfarrgemeinde aufmerksam. Am 17. März wird in allen katholischen Pfarreien Bayerns der neue Pfarrgemeinderat gewählt.

Das Wahlplakat

Schauen wir uns zuerst dieses Plakat kurz an. In der Mitte des Bildes sehen Sie eine Kirche mit geöffnetem Portal, durch das man in ihren von gelbem Licht durchfluteten Innenraum blickt. Eine bunte Menschenmenge ist um sie versammelt. An der Kirchturmspitze ist ein Stimmzettel mit dem Wahldatum und dem Kreuz des Wählers befestigt.

Um die Kirche versammeln sich viele Leute, die mit intensiven bunten Farben abgebildet sind. Diese Farben stehen für die Vielfalt und für das bunte Leben in der Kirche. Diese Buntheit bringt die Verschiedenheit der Aufgaben, Dienste, Funktionen und Ämter zum Ausdruck. Sie alle bündeln sich in der gemeinsamen Sendung, die im Zentrum des Plakats durch die leuchtend gelbe Farbe im Gotteshaus symbolisch zum Ausdruck gebracht wird.
Der Pfarrgemeinderat hat die Aufgabe, diese bunte Vielfalt zu koordinieren. Durch eine demokratische Wahl überträgt die Pfarrgemeinde den gewählten Frauen und Männern das Mandat, Verantwortung für das Ganze der Pfarrgemeinde zu übernehmen. Gemeinsam mit dem Pfarrer und Seelsorgern beraten sie die pastoralen Fragen, führen die vielfältigen Dienste der Einzelnen wie auch der Gruppen zusammen, entdecken und fördern Charismen – so bewegen sie die Pfarrgemeinde und die Kirche.
 
Die Wahl steht unter dem Leitwort "Kirche bewegen - Welt gestalten". Eine lebendige Gemeinde wirkt nach außen. Die Kirche zu bewegen ist kein Selbstzweck. Kirche zu bewegen heißt immer auch, die Welt zu gestalten.

Warum braucht eine Pfarrgemeinde den Pfarrgemeinderat?

Pfarrgemeinderäte sind nach dem 2. Vatikanischen Konzil entstanden. Dieses Konzil hat die Wichtigkeit der Laien in der Kirche wieder entdeckt. Die klerikalen Strukturen, die sich im Laufe der Jahrhunderte eingebürgert haben, sollten abgebaut werden. Die gemeinsame Berufung und die gemeinsame Sendung aller Getauften wird betont. Die Kirche ist das Volk Gottes und das bedeutet eine enge Zusammengehörigkeit aller Getauften, aber auch ihre gemeinsame Verantwortung in Kirche und Gesellschaft.
Die Kirche hat dadurch in den letzten Jahrzehnten ein neues Selbstverständnis gewonnen. Innerhalb der Gemeinde bedeutet dies: Seelsorge ist nicht mehr allein die Betreuung oder Belehrung durch Priester, sondern ein Prozess zwischen Glaubenden, bei dem alle gleichwertige Söhne und Töchter Gottes sind und bei dem die unterschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen genutzt werden. Die Würzburger Synode hat dieses neue Gemeindebild mit diesen Worten treffend ausgedrückt:
"Aus einer Gemeinde, die sich pastoral nur versorgen lässt, muss eine Gemeinde werden, die ihr Leben im gemeinsamen Dienst aller und in unübertragbarer Eigenverantwortung jedes Einzelnen selbst gestaltet" .

Jetzt ist die Chance!

Ich bin froh, dass sich in unserer Gemeinde, die nach dem Konzil entstanden ist, dieses neue Kirchenbild weitgehend verwirklicht. Ich bin dankbar allen, die sich mit ihren Fähigkeiten in verschiedensten Gremien und Gruppen, Aufgaben und Diensten einbringen und dadurch unsere Pfarrgemeinde mitgestalten und mittragen. Auf vielen Schultern, auf vielen bereiten Händen und offenen Köpfen, ruht unsere Pfarrei.
Nun wird am 17. März das zentrale und das wichtigste pastorale Gremium neu gewählt. Ich möchte Ihnen heute diese Wahl ans Herz legen. Es ist unsere gemeinsame Sache. Wenn Ihnen die Zukunft unserer Pfarrgemeinde wichtig ist, dann denken Sie darüber nach und machen Sie mit.
Letzte Woche hat sich der Wahlausschuss konstituiert, dem neben dem Pfarrer jeweils drei Mitglieder des aktuellen Pfarrgemeinderates und der Kirchenverwaltung angehören: Hr. Dantscher, Dr. Ebert, Hr. Grohmann, Hr. Klebel, Hr. Michalka, Hr. Philips. Zum Vorsitzenden des Wahlausschusses wurde Dr. Klaus Ebert gewählt, zum Stellvertreter Hr. Karl Klebel, zum Schriftführer Hr. Herbert Grohmann.
Unsere gemeinsame Aufgabe für die nächste Zeit ist die Zusammenstellung der Liste der Kandidaten. Bis Ende Februar werden Kandidatinnen und Kandidaten für den neuen PGR gesucht.
Kandidieren darf jeder, der älter als 16 Jahre ist. Anders als bei der Wahl der Kirchenverwaltung ist bei der Pfarrgemeinderatswahl der Wohnsitz nicht entscheidend. Jeder, der sich unserer Pfarrgemeinde zugehörig fühlt, auch wenn er außerhalb der Pfarrgrenzen wohnt, darf kandidieren.
Der PGR wird für vier Jahre gewählt. Die Zahl der Mitglieder richtet sich nach der Größe der Pfarrei. Bei uns werden 10 Mitglieder gewählt.
Ich möchte das heute mit aller Deutlichkeit sagen: Jetzt ist die Chance, Ihre Chance. Die sollten Sie wahrnehmen, um sich später nicht beklagen zu müssen, dass die Anderen alles machen und ich nicht eingeladen werde. Wer das Gefühl hat, im Pfarrgemeindeleben zu kurz gekommen zu sein, der sollte jetzt aktiv werden.

Warum soll ich kandidieren?

Wahrscheinlich aber haben nicht viele von Ihnen dieses Gefühl, bis jetzt zu kurz gekommen zu sein. Es stellt sich bei den meisten von Ihnen vielmehr die Frage: Warum soll ich kandidieren? Auf diese Frage kann ich nur antworten:
Wenn Sie mitentscheiden möchten, wie das Gesicht unserer Pfarrei aussehen soll – dann ist der Pfarrgemeinderat das richtige Gremium. Ist dies nicht eine Aufgabe, für die es sich lohnt, sich als Kandidat bzw. Kandidatin aufstellen zu lassen?
Wo, wenn nicht im Pfarrgemeinderat, können Sie bestimmen, in welcher Form die frohe Botschaft Jesu vor Ort spürbar und erlebbar wird? Wo, wenn nicht im Pfarrgemeinderat, können Sie die verschiedenen Fähigkeiten und Dienste in einer Pfarrei vernetzen und koordinieren? Wo, wenn nicht im Pfarrgemeinderat, können Sie Kirche bewegen und Welt gestalten?

Sie sind ein Kandidat, wenn Sie sagen:

bulletIch finde es wichtig, nach neuen Wegen zu suchen und sich für Ziele und Visionen einzusetzen.
bulletIch möchte als Mandatsträger christliche Werte in der Öffentlichkeit vertreten und in sie kommunale Entwicklungsprozesse einbringen.
bulletMeine momentane Lebenssituation gibt mir die Freiheit, "Ja" zu meiner Kandidatur zu sagen.
bulletEs gehört zu meinem Selbstverständnis als Christ, Verantwortung zu übernehmen.

Wenn sie dazu noch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mitbringen, Kreativität und Mut, neue Wege zu suchen, und auch Spaß daran haben, neue Konzepte zu entwickeln, dann sind Sie bereits ein Kandidat oder eine Kandidatin.

Es lohnt sich

Wenn es so ist, dann haben Sie Mut und lassen Sie es uns wissen. Wenn Sie mehr Informationen oder ein klärendes Gespräch brauchen, sprechen Sie mich oder ein Mitglied des Wahlausschusses oder des Pfarrgemeinderats an.
Weitere Informationen über den Pfarrgemeinderat finden Sie unserem letzten Pfarrbrief, in dem Herr Dr. Hopf, der Vorsitzende des PGR, auf zwei Seiten über die Arbeit des Pfarrgemeinderats in der letzten Wahlperiode berichtet. Nützlich für den ersten Einblick kann auch das Faltblatt sein, das auf dem Infostand ausliegt.
Man muss sicher als Mitglied des PGR einiges an Zeit und Energie opfern, aber man gewinnt auch viel durch das Engagement. Man bekommt einen umfassenden Einblick in das Leben der Pfarrgemeinde, man trifft gleich gesinnte, motivierte und überzeugte Christen mit denen man zusammen arbeitet. Überlegen Sie sich, ob Sie Ihre Fähigkeiten, ihre Zeit und die Freude am Miteinander in unserer Pfarrgemeinde einsetzen könnten.

Die Ernte ist groß

Das heutige Evangelium (Mt 4,12-23) erzählt von der Berufung der ersten Apostel. Jesus braucht sie, damit sie in seinem Namen gesandt werden, damit seine Botschaft mehrere Menschen erreichen kann.
Unsere Pfarrgemeinde braucht Sie, um das bunte Leben der Pfarrgemeinde zu gestalten, um die Vielfalt der Aktivitäten fortzusetzen und neue Initiativen zu starten.
In der Pfarrgemeinde aktiv mitzuarbeiten bedeutet, meinen Glauben, mein Christsein sichtbar zu machen, mit meinen Talenten die Kirche aufzubauen.
Ich danke Ihnen, wenn Sie sich in nächster Zeit darüber Gedanken machen.

 

 
 
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Last updated 06.12.07