St. Albertus Magnus Ottobrunn  



 

Predigten 2002

 


Ökumenischer Gottesdienst

2. Kor 4,6-10

 

Predigt von Dekan Wolfgang Schwandner, ev. Michaelskirche,
zum  Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen, Sonntag, 20. Januar 2002, in St. Albertus Magnus
 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen, Amen.

Liebe ökumenische Gemeinde,

herzlich bedanke ich mich für Ihre freundliche Einladung hierher nach St. Albertus Magnus. Gern bin ich der freundlichen Einladung von Herrn Dekan Dr. Lukasz gefolgt und heute zu Ihnen gekommen. Denn ich finde, wir Christen sind auf dem Weg zur Einheit, wir können in versöhnter Verschiedenheit zusammenstehen, um Christi Auftrag für die Welt nachzukommen.
Wir stehen im liturgischen Kalender am Ende der Epiphaniaszeit; und so möchte ich jetzt ein Wort aus dem 2. Korintherbrief des Apostels Paulus lesen, Kapitel 4, Vers 6-10:

"Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der ist als heller Schein in euren Herzen aufgegangen. Das ist geschehen, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis der göttlichen Herrlichkeit auf dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit offenbar wird, dass die überschwängliche Kraft von Gott kommt und nicht von uns.
Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Wir sind ratlos, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir kommen nicht um. Allezeit tragen wir das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde."

Liebe Gemeinde,

nun habe ich hier ein "irdenes Gefäß", einen Blumentopf, mitgebracht und jeder von uns weiß, was passiert, wenn ich diesen Blumentopf jetzt fallen lasse. Es wird Scherben geben; denn er ist recht zerbrechlich; weil es eben ein "irdenes Gefäß" ist, wie es in unserem Bibelwort heißt.

Genauso zerbrechlich wie mein Leben und das Menschenleben überhaupt. Auch so zerbrechlich wie der Friede in der Welt, bedroht durch Gewalt, Terror und Kriege. Und genauso zerbrechlich wie unsere Bemühungen in den Kirchen, nicht nur miteinander auszukommen, sondern einander immer näher zu kommen; oder gar unser Weg mit all den Menschen, die etwas von den Kirchen erwarten in unserem Ort, in unserem Land, in unserer Welt.

Ziemlich angeschlagen und voller Risse ist dieses Gefäß (der Kirche). Wir sind zwar zum Frieden berufen. Aber wir sind Gottes Friede oft nicht in der Welt. Wir sind Gottes Hilfe oft nicht für die Entzweiten. Denn wir sind oft selbst verstört, engherzig und unversöhnlich manchmal; so haben wir auch zu Beginn dieses Gottesdienstes unserem Herrn bekannt.
Und ich könnte jetzt weiter fortfahren: Wir müssen dich um Verzeihung bitten für das, was in deiner Kirche geschehen ist und geschieht: Für Ketzerjagd und Heilige Kriege, für Hochmut und Kurzsichtigkeit, mit der manche ihrer Vertreter immer wieder auch nach der Macht greifen.
Dekan Wolfgang Schwandner, 20.1.2002, in St. Albertus Magnus

Aber immer noch halte ich dieses irdene, angerissene, tönerne Gefäß in meiner Hand. Recht unansehnlich ist es; das so gar nicht passen will zu etwas Besondern, zu einer wichtigen Funktion und zu einem guten Gebrauch. Zum Verschenken mit einer schönen Pflanze würden wir ein neues nehmen.
Aber ich stelle mir vor, wie das ist, wenn nun jemand in diesen ramponierten Blumentopf doch eine schöne Pflanze hineinpflanzt, einen Hibiskus vielleicht, ihn begießt und pflegt und sich freut an seinen Blüten. Dann ist dieses irdene Gefäß auf einmal brauchbar von seinem Inhalt her. Und dann sehe ich die schöne Pflanze und der ramponierte Blumentopf ist unwichtig.
Und wenn die Pflanze größer wird und der Blumentopf durch das Wachstum gesprengt wird, dann nehme ich ein größeres Gefäß. Wo also der Wuchs, die Schönheit, der Duft und die Farbe der Pflanze wahrgenommen werden, da war auch das alte Gefäß nicht nutzlos und unbrauchbar. Es hat eben gedient.

Mir fällt ein Wort des früheren schwedischen Bischofs (Boo Giertz) ein. Er sagte einmal: "Der Herr, dem ich diene, tut etwas Seltsames: Er geht über die Scherbenhaufen der Welt und sucht sich alte, irdene Gefäße, um seine Schätze darin zu bergen, so wie er sich an Weihnachten selbst in eine Krippe gelegt hat. Und so hat er mein Herz erwischt."

(Eine Kerze wird angezündet.)

Gegen tausend Kubikmeter Dunkelheit kommt ein einziger herzlicher Lichtblick an, so wie eine einzige Kerze die Dunkelheit als Lichtpunkt durchleuchtet. Ein einziger Hoffnungsschimmer in diesem meinem irdenen Herzen macht Mut und Gelassenheit, Ein einziges ermunterndes Wort in der Angst tut Wunder. Wir sind dazu fähig. Aber das muss nicht krampfhaft von uns ausgehen.
"Die überschwängliche Kraft kommt von Gott und nicht von uns." heißt es in unserem Schriftwort.
Jesus bildet in seinen Gleichnissen das Wirken Gottes ab durch die Wirkstoffe, die uns alle von außen umgeben und in uns eindringen. Vom Salz ist da die Rede und von der Hefe, vom Samenkorn und vom Licht.
Wir alle wissen, was passiert, wenn ein einziges Samenkorn zwischen die Ritzen einer Mauer fällt. Wie dann die Wurzeln der keimenden Pflanze das Gestein sprengen. Auch den Asphalt heben sie und sprengen ihn. Ganz zu schweigen, wenn man das Samenkorn in dieses irdene Gefäß gibt, das dann plötzlich gar nicht mehr so zerbrechlich erscheint.

Jesus sagt also: Es kommt darauf an, wo die eigentliche Wirkkraft sitzt.

Und die hat die Hefe und nicht die Menge Mehl. Die hat das Salz und nicht die Suppe. Die hat das Licht und nicht die tausend Kubikmeter Finsternis. Und die hat die Pflanze und nicht das Gefäß. "Die überschwängliche Kraft kommt von Gott und nicht von uns.", sagt unser heutiges Schriftwort.

(Der Text wird nochmals gelesen und die Kerze in den Topf gestellt.)

Da werden auch unsere Kirchen und unsere Gemeinden vielleicht etwas mehr Mut schöpfen. Wir werden dann nicht deprimiert ständig an dem Gefäß herumfummeln und es vielleicht kunstvoll lackieren oder die Risse überkleben. Wir werden erst recht kein weiteres zerbrechliches Glashaus mit abschirmenden Wänden herum bauen, um weiterhin schön ungestört unter uns zu sein. Wir werden diesen Topf, das "irdene Gefäß" da anders gebrauchen.

(Der Topf wird herumgedreht, die Kerze oben drauf gestellt)

Ich denke, wir werden als Christen der Wirkkraft mehr zutrauen als dem Gefäß.

Wir werden spüren, welche Wirkung das Wort Gottes hat, wenn es uns versichert: Obwohl ihr so seid, mag ich euch gern. Wir werden so Vertrauen stiften und die ständige Selbstrechtfertigung abbauen können. Das tut uns gut und das tut der Welt gut, auch wenn der Topf ganz irden bleibt.
Wir werden die Spannung zwischen Topf und Inhalt, zwischen dem Gefäß und der Wirkkraft ertragen können. Einmal von einer ganz anderen Seite her als vom Schuldbewusstsein, von der Gewissheit nämlich, das Christus mit uns ist; wie das Paulus für die schweren Seiten unseres Lebens angibt:
Topf mit Kerze

"Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Wir sind ratlos, aber wir verzagen nicht. Wir erleiden Verfolgung, aber wir kommen nicht um. Allezeit tragen wir das Sterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar wird."

Eine solche Kirche, in der man und mit der man Spannungen austragen kann, finde ich sympathisch. Sie leidet an den Spannungen mit und stiftet doch Hoffnung; die Hoffnung in den Herzen von uns Christen, und bleibt dabei in allem doch ein irdenes Gefäß, sehr zerbrechlich. Aber es ist sogar möglich, alte Töpfe über Bord zu kippen, wenn die Wirkkraft der Herrschaft Gottes neue Gefäße, größere oder kleinere, braucht.

Und der Friede Gottes, welcher größer ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 
 
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Last updated 06.12.07