Predigten 2006


Wer glaubt ist nie allein - Mannschaft Kirche nach der Fußball-WM
Predigt von Pfarrer Dr. Czeslaw Lukasz, am Pfarrfest,
16. Juli 2006
 
 
 
"Wer glaubt ist nie allein" – heißt das Motto des anstehenden Papstbesuches und auch das Motto unseres diesjährigen Pfarrfestes.
Angesichts der letzten Fußballjubelwochen sollte man diesen Satz vielleicht umschreiben und sagen: "Wer sich für Fußball interessiert ist nie allein". Bis auf den letzten Platz gefüllte WM-Stadien, Hunderttausende auf den Straßen, volle Fanparks und Biergärten: Fußball überall. Da ist wirklich ein Fußballfan nicht allein.
Wer glaubt ist nie allein? Fühlt man sich manchmal bei schwach besuchtem Gottesdienst nicht allein? Hatte sich nicht jemand von Ihnen schon gewünscht: Es wäre schön, solche Massen wie bei Fußballspielen in den Kirchen zu sehen!

Eucharistiefeier - die bestbesuchte Wochenendveranstaltung

Dennoch! Die Kirche schneidet – allem momentanen Anschein zum Trotz – viel viel besser ab als die Fußballwelt. Jeden Sonntag kommen in die katholischen Kirchen Deutschlands etwa vier Millionen Menschen. Eine weitere Million nimmt an den evangelischen Gottesdiensten teil.
Diese Zahlen sind unschlagbar. Was sind dann schon angesichts dieser Millionen Kirchgänger, 60 tausend Zuschauer in einem Fußballstadion? Auch wenn man noch die WM-Fanmeilen mit Hunderttausenden dazuzählt, ist die Gesamtzahl weit unter der Kirchgängerzahl.
Die Kirche schlägt nicht nur die Zahl der WM-Fans. Wenn die Fußballbundesliga spielt, kommen an einem Wochenende ca. eine halbe Million Menschen in die Stadien, und das macht nur ein Achtel der vier Millionen, die den katholischen Gottesdienst besuchen. Die Feier der katholischen Liturgie ist – salopp gesagt – die bestbesuchte Wochenendveranstaltung Deutschlands.

Wer glaubt ist wirklich nie allein! Man darf aber nicht nur die Zahlen vergleichen. Was in der Kirche geschieht ist kein Event, kein Spektakel, das mit visuellen Reizen und lautem Schreien Menschen in seinen Bann zieht. Es ist eine ganz andere Art der "Veranstaltung". Hier wird in großer Andacht das unsichtbare Geheimnis des Glaubens gefeiert, die Mitte unseres Glaubens. Und wer zur Sonntagsliturgie kommt, taucht in dieses Geheimnis ein. Ob einer katholischer Christ ist zeigt sich nicht darin, dass er die katholische Sozialarbeit schätzt, den Papst verehrt, den Pfarrer vielleicht nett findet, im PGR sitzt oder im Kirchenchor singt. Ob einer katholischer Christ ist zeigt sich darin, dass er in der Liturgie den Tod Jesu preist und seine Auferstehung verkündet. Dafür versammeln sich Millionen Sonntag für Sonntag in unseren Kirchen.
Wer glaubt ist wirklich nie allein. Wir müssen also nicht erst an eine über eine Milliarde Christen große katholische Weltkirche denken, deren Papst Zeichen der Einheit ist, um zu spüren, dass wir nicht allein sind. Auch hier zu Lande, auch in unserer Pfarrgemeinde gilt: Wer glaubt ist nicht allein.

Der Glaube verändert die Welt, der Fußball kann das nicht

Wir sollen auch die Qualität der kirchlichen Gemeinschaft bedenken. Wer die Fußballer bejubelt, der freut sich wenn Tore geschossen werden und wenn seine Mannschaft gut abschneidet. Diese Freude und diese Gemeinschaft tragen aber nicht weit. Der Fußballfan steht schnell wieder allein, wenn er mit Problemen und Sorgen des Alltags konfrontiert wird. Der Fußball gibt keine Antworten auf die elementaren Dinge des Lebens, erst recht nicht, wenn es sich um Leiden und Sterben handelt. Im Leben gibt es noch schlimmere Niederlagen als eine Niederlage der Lieblingsmannschaft. Es gibt noch bitterere Tränen und Traurigkeit, als über ein verlorenes Spiel. In solchen Situationen steht der Fußballfan mutterseelenallein und muss nach Antworten woanders suchen.

Die Liturgie der Kirche wurzelt im wirklichen Leben. In die Kirche kommen wir nicht um uns eine Stunde lang oberflächlich zu freuen. Wir bringen unser ganzes Leben mit, unsere ganze Woche mit Siegen und Niederlagen, mit Jubelrufen und Tränen der Traurigkeit. Jesus Christus, der selbst die bitterste Niederlage am Kreuz erlitten hat, und dann über den Tod den Sieg errungen hat, nimmt jeden von uns in dieses Geheimnis mit hinein und verwandelt unser Leben, damit es mit noch mehr Wahrheit, mit noch mehr Liebe und mit noch mehr Hoffnung erfüllt wird. Der Glaube verändert die Welt, der Fußball kann das nicht.

Liturgie als heilige Handlung

Um nicht allein zu sein, werden wir unsere Kirche nie zu einer Fußballarena umbauen. Das dürfen wir nicht und das brauchen wir auch nicht. Hier in der Liturgie wird auch nie die Unterhaltung der Gläubigen im Vordergrund stehen. Wir werden nicht mit der heiligen Liturgie experimentieren, sondern wir werden versuchen uns immer mehr auf die heilige Handlung, auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir werden lebendige Liturgie feiern, wir werden schwungvolle Lieder singen, wir werden klatschen und tanzen, nicht um den Alltag zu vergessen, sondern als Ausdruck unserer Freude über die Nähe Gottes und zu seiner Ehre. Stille und Andacht werden immer in der Liturgie Platz haben. Diese sind sehr wichtig, denn in ihnen öffnet sich die Tür unsres Herzens für sein Kommen. Und er bringt uns eine Lebensfreude, die viel tiefer ist und auch viel größer als die Freude über einen Sieg der Lieblingsmannschaft.

Der Heilige Geist als Mannschaftsgeist

Sonntag für Sonntag kommen Millionen zur Eucharistiefeier zusammen, um aus dem Geist der heiligen Liturgie Kraft und Mut für ihr Leben zu schöpfen. In diesem Schöpfen ist keiner von uns allein. Wenn es heute eine Vereinsamung im Glauben gibt, dann deshalb, weil aus der Quelle der Liturgie nicht genug geschöpft wird. Einer allein, nur auf sich selbst gestellt, kann nicht gewinnen, nicht ein Fußballspiel und auch nicht das frohe Christsein.
Lassen wir uns also umso mehr von diesem Geist der heiligen Liturgie beseelen. Am Pfingsttag hat Jesus die Gemeinschaft der Jünger mit dem Heiligen Geist gestärkt. Die vielen waren eins, keiner war allein, keiner musste allein vor sich hinwerkeln. Die Sache Jesu und sein Geist haben sie zusammengeschmiedet und ihre Leistung unterstützt.

Das Pfarrfest ist ein Fest unserer Gemeinschaft. Wir sind hier, unsere Pfarrgemeinde, wie eine Mannschaft, die zusammen spielt, und zwar beständig, Woche für Woche. Die schöne unvergessliche Fußball-WM ist zu Ende, Mannschaft Kirche und Mannschaft Pfarrgemeinde spielen weiter.
Lasst uns heute über diese Gemeinschaft diese große Mannschaft von Groß und Klein, von Frau und Mann, von Stark und Schwach feiern.

Durch die Enthüllung der Gedenktafel zu Ehren von Papst Benedikt XVI. und durch die Eröffnung der Fotoausstellung über die Weihe unserer Kirche durch Kardinal Ratzinger am 2. Oktber 1977 wird uns heute bewusster, dass St. Albertus Magnus nicht allein spielt und nicht allein spielen muss. Wir sind Teil einer großen Weltmannschaft der Christen. Der Heilige Geist, der in Sturm und Feuer auf die Jünger herabkam, ist unser Mannschaftsgeist, der uns stark macht und zum Sturm anfeuert. Jesus Christus ist unser Kapitän, der uns zum Sieg führt. Gott, der Vater, ist der Spielveranstalter und der oberste Schiedsrichter, der die Regel des Lebens bestimmt und uns gerecht zu spielen lehrt.

Lasst uns also gut das heilige Spiel des Glaubens und das kostbare Spiel unseres Lebens spielen, zum Sieg des Lebens, zum Triumph der Kirche und zum Lobe Gottes. Amen.

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Last updated 06.12.07