Predigten 2002

 

Wir bekennen Farbe
 
Predigt von Dekan Dr. Czeslaw Lukasz am Pfarrfest, 14. Juli 2002
 
 

Bekenntnis zu Christus

Petrus hat in Cäsarea Philippi Farbe bekannt. Auf die Frage Jesu: "Für wen haltet ihr mich?" gab er eine klare Antwort: "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes" (Mt 16,17).
Dieses Bekenntnis von Petrus ist auch unser Glaubensbekenntnis. Wir bekennen uns zu Christus, dem Messias und dem Sohn Gottes.
Ist aber Jesus der einzige Messias, der einzige Erlöser der Menschheit? Wer andere große Religionen näher kennt, der weiß, dass es in ihnen auch andere Vermittler zwischen Gott und den Menschen gibt. Der Vergleich zwischen Jesus und Buddha, zwischen Jesus und Mohammed, u.s.w. wird gemacht. Jesus scheint dann einer von mehreren Religionsstiftern zu sein, mehr oder weniger mit ihnen gleichwertig. Die Sonderstellung, die er für uns Christen hat, wird durch den interreligiösen Vergleich oft relativiert.
Ich zitiere die Meinung eines Gymnasiallehrers, der in einer Pfarrgemeinde regelmäßig Gottesdienste besucht und lange Jahre Mitglied des Pfarrgemeinderates war. Sie drückt das aus, was heute viele denken:

"Wissen Sie, ich bin Christ und bin es gern, und mein christlicher Glaube ist mir wichtig! Aber dass das Christentum oder auch Christus selbst eine irgendwie geartete Sonderstellung unter den Religionen einnimmt, dass der christliche Glaube wahrer, bedeutsamer, zutreffender ist, kann ich nicht begreifen und auch nicht vertreten. Was für mich Christus ist, ist für die Moslems Mohammed, für die Buddhisten Buddha; was für mich die Bibel ist, ist für andere der Koran oder die Veden. Es sind alles Variationen des Gleichen. Sie können mir doch nicht – sagte er – zumuten zu glauben, ich hätte zufällig, weil ich im christlichen Abendland von christlichen Eltern geboren wurde, im religiösen "Zahlenlotto" die "6 Richtigen" getroffen, andere hingegen, die von jüdischen oder hinduistischen Eltern abstammen, nicht!" (Zitat G. Greshake).

Ähnlich denken heutzutage nicht wenige Christen. Ist Christus tatsächlich einer von vielen, hat er die gleiche Stellung wie Mohammed oder Buddha? Ist das Christentum nur eine von vielen gleichwertigen Religionen? Es sind brennende Fragen, die wir zu beantworten haben. Die Antwort auf sie ist heute eine große Herausforderung an Christen und an die Kirche. Wie definieren wir Christen uns gegenüber anderen Religionen. Wie erklären wir unseren Anspruch auf die letztgültige Offenbarung Gottes in Christus?
Diese Fragen lassen sich nicht in einer kurzen Predigt beantworten. (Ein Abendvortrag mit Diskussion wäre der richtige Rahmen, um das Thema ausführlich zu behandeln). Ich kann hier nur kurz andeuten in welche Richtung Antworten gesucht werden, um – trotz aller Toleranz und des interreligiösen Dialogs - die Sonderstellung Christi in der Geschichte der Menschheit zu bezeugen. (Ich stütze mich dabei auf die Ausführungen von Prof. G. Greshake).

Zuerst zum Hintergrund der Gleichstellung. Gleichstellung aller Religionen spiegelt die Denkweise der sog. "Postmoderne". Hier wird auf allgemeinverbindliche Wahrheitsansprüche verzichtet: Es gäbe keine absolute Wahrheit und keine universal geltenden Werte oder allgemein verpflichtende Normen. Wenn diese Denkweise auf die Religion übertragen wird, dann lautet die These: Es gibt keine allgemeine, absolute Religion, sondern mehrere gleichwertige Religionen, von denen keine einen Vorrang gegenüber der anderen hat und haben darf. Wenn Christus auf die selbe Ebene wie Buddha oder Mohammed gestellt wird – dann spiegelt diese Denkweise die heutige Mentalität.
Was die Bibel über Jesus sagt, widerspricht eindeutig dieser Gleichsetzung. Von vielen Sätzen über die Rolle Christi möchte ich hier nur einen zitieren. Jesus spricht: "Wer mich sieht, sieht den Vater" (Joh 14,19). Gott ist so, wie er sich in Christus gezeigt hat. In Christus hat uns Gott sich selbst, sein tiefstes Sein, geoffenbart. Jesus Christus ist die letztgültige Mitteilung Gottes an die Menschen. Mehr als sich selbst kann Gott den Menschen nicht mitteilen.
Daraus folgt, dass wir Christen Gott nicht mehr in Bildern und Gestalten zu suchen brauchen, die andere Religionen von Gott vermitteln und von denen keine endgültig ist. Gott ist nicht in unerreichbarer Erhabenheit "über" seiner Schöpfung geblieben und lässt uns nicht nur einige Bilder und Hinweise über sich zukommen. Durch die Menschwerdung Christi ist Gott in die Menschheitsgeschichte eingetaucht und mit uns den Weg durch die Geschichte gegangen. Wir Christen bekennen einen Gott, der sich in Christus wirklich bis in seine Leiblichkeit an unser Menschenschicksal bindet.

Das, was wir Christen über Gott wissen, verdanken wir nicht einem Propheten oder einem Erleuchteten, sondern der personalen Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus. Nicht eine Wahrheit über Gott wurde in Jesus geoffenbart, sondern Gott selbst. Wir Christen bekennen uns nicht zu einer abstrakten Wahrheit über Gott, sondern wir bezeugen eine Person, die von sich selbst sagt "Ich bin die Wahrheit".
Wir bekennen ein reales Eintauchen Gottes in die Welt, indem er unsere Welt als seine Welt, unsere Geschichte als seine Geschichte übernommen hat, und bis in die tiefsten Niederungen zu uns Menschen herabgestiegen ist und unser Leben geteilt hat. Diese Wahrheit Gottes, die Leib geworden ist, bezeugen wir Christen.
Die Bindung Gottes an die Menschheit hat einen Namen: "Liebe". "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab" (Joh 3,16). Durch Christus hat Gott die Menschheit so berührt, dass die Liebe Gottes eine sichtbare, greifbare, konkrete, historische Gestalt angenommen hat.

Anders als andere Religionen bekennen wir nicht ein Bündel von Wahrheiten über Gott, sondern diese personifizierte Liebe Gottes, die in Christus eine ganz konkrete historische Gestalt angenommen hat. Es ist eine alle Menschen, alle Religionen einschließende Liebe.
Wenn wir von einem Vorsprung des Christentums und der Kirche gegenüber den anderen Religionen sprechen dürfen, dann nicht auf der Ebene der Erkenntnis, des Wissens, sondern in der realen Ebene der geschichtlichen Mitteilung Gottes. Wir bekennen nicht das, was wir über Gott wissen, sondern das, was er getan hat und tut, wir bekennen ihn selbst. Nicht unsere Wahrheit ist "absolut", sondern einzig und allein ER, Jesus Christus, als letztgültige Offenbarung Gottes ist "absolut", unwiederholbar und allgemein gültig. Das Christentum ist deshalb keine Weltanschauung, keine Philosophie, sondern ein Bekenntnis zu Gott, der den Menschen so nahe gekommen ist.

Die Aufgabe von uns Christen ist, alle Menschen, alle Religionen zu dieser Liebe Gottes zu führen. Christus, die personifizierte Liebe Gottes, ist Zielpunkt aller religiösen Wege der Menschheit. Erst wenn alle Menschen zu diesem Gott der Liebe gefunden haben, ist die Heilsgeschichte zu Ende. Dann braucht Gott auch die Kirche nicht mehr, weil er dann alles in allem ist.
Als Zeichen dafür, dass Jesus der einzige und letztgültige Messias ist, zünde ich die Osterkerze an. Dabei singen wir: Kyrie eleison.

Christus ist die Mitte unseres Glaubens. Wenn wir uns zu Christus bekennen, dann bekennen wir uns zu vielen anderen "Dingen", die daraus resultieren und unser Leben bestimmen. Einige Mitglieder der Gemeinde werden jetzt ihre Farbe bekennen. Nach jedem Bekenntnis wird Kyrie eleison gesungen.
 

Bekenntnis zum sonntäglichen Gottesdienst

Maria Spicker:

Eines der auffälligsten Kennzeichen der christlichen Gemeinden war es schon in frühester Zeit, dass sie sich am Sonntag zum Gottesdienst versammelten. Das war so typisch für sie, dass es ihnen den Namen gab. "Kirche" bedeutet nämlich ursprünglich "Gottesversammlung".
Von Gott wüssten wir nicht viel, wenn es die Kirche nicht gäbe, und erst recht bliebe uns die Botschaft von Jesus Christus unbekannt. Nur weil es Menschen gibt, die an ihn glauben und über ihren Glauben sprechen, wissen wir von ihm. Diesen Glauben kann man aber nicht gut aus Büchern lernen, man muss ihn in der Gemeinschaft von Glaubenden erleben.
Ich brauche den sonntäglichen Gottesdienst, weil ich dort andere treffe, die den selben Glauben haben, weil dort die gemeinsame Überzeugung ausgesprochen und vertieft wird.
Mein sonntäglicher Kirchenbesuch bringt die Solidarität mit der Glaubensgemeinschaft zum Ausdruck.

Bekenntnis zur Pfarrgemeinde St. Albertus Magnus

Franz Lamatsch:

Ich bekenne mich zur Pfarrgemeinde Albertus Magnus. Ich bin hier in unserer Pfarrgemeinde Albertus Magnus zuhause. Ich pflege Kontakt zu anderen Mitchristen und fühle mich wohl unter Gleichgesinnten. Es gibt mir und meiner Familie Sicherheit und Zuversicht zu wissen, dass wir hier in einer großen Gemeinschaft gut aufgehoben sind, hier in Albertus Magnus. Dazu bekenne ich mich und engagiere mich auch dafür.

Bekenntnis zu Ehe und Familie

Bernhard Huber:

Ich bekenne mich zur Ehe und Familie.
In unserer Gesellschaft wird der Stellenwert der Ehe und auch der Familie immer weiter zurückgedrängt. Dies macht mich sehr nachdenklich. Bei der Suche nach einem geeigneten Beitrag zur Ehe und Familie bin ich auf ein Gebet gestoßen, das ich - leicht abgewandelt - sehr passend finde, um den Stellenwert, den für mich die Ehe und Familie genießt, auszudrücken: Ich möchte keine andere Familie haben.

Lieber Gott,
hilf mir dankbar zu sein, dass ich nicht alleine leben muss. Manchmal haben wir es ja schwer miteinander. Aber ohne die anderen in unserer Familie wäre alles öde.
Ich danke dir, dass ich immer Menschen habe, die mit mir reden und denen ich sagen kann, wie ich mich fühle. Auch wenn es ab und zu Verständnisprobleme gibt, bin ich doch sehr dankbar, DIESE Familie zu haben.
Danke, lieber Gott.

Bekenntnis zur unantastbaren Würde des Menschen

Waltraud Ehring:

Ich bekenne mich zur unantastbaren Würde des Menschen.
Unser Grundgesetz stellt sie als Menschenrecht an seinen Anfang. Für uns Christen ergibt sich diese unantastbare Würde aus dem 1. Kapitel der Genesis: "… und Gott erschuf den Menschen nach seinem Bild. Als Mann und Frau erschuf er ihn".
Alle
Menschen sind Gottes Ebenbild. Deshalb steht diese Würde jedem Menschen zu, gleich welchen Geschlechts, welcher Rasse, welcher sozialen Lage, sei er jung oder alt, reich oder arm, gebildet oder ungebildet.
Weil ich Christin bin, darf es mir deshalb nicht gleichgültig sein, wenn diese Menschenwürde täglich auf der Welt vielfach missachtet wird, wenn Menschen hungern müssen, diskriminiert oder in ihrem Lebensrecht in Frage gestellt werden.

Bekenntnis zur Gemeinschaft der Christen

Monika Modrow-Lange:

In einer Zeit, in der persönlicher Erfolg und materielle Werte in den Vordergrund gerückt sind, ist es eine Herausforderung für uns Christen, die Gemeinschaft der Kirche nach außen sichtbar zu machen.
Unser Ziel muss es sein, auch über Pfarreigrenzen hinaus spüren zu lassen, dass einer für den anderen da ist, dass es gut tut, sich gegenseitig gehalten zu wissen und von anderen mit getragen zu werden, besonders dort, wo man allein nicht mehr weiter kommt.
Die Bereitschaft zum geschwisterlichen Umgang miteinander, gemeinsame Gottesdienste aller Ottobrunner Pfarreien, Friedensgebete, die Begleitung durch die Fastenzeit, die Kontakte der Pfarrer und der Pfarreigremien sind erste Schritte auf dem Weg zu diesem Ziel.

Bekenntnis zum Heiligen Geist

Waldemar Junior:

Ich bekenne mich zum Heiligen Geist.
Jesus selbst hat uns den Heiligen Geist als seinen Stellvertreter auf Erden hinterlassen bis an den Tag, an dem Er wiederkommen wird. Der Vater im Himmel wünscht sich, dass wir auf seinen Heiligen Geist hören und uns von ihm leiten lassen. Oft schon habe ich die feine Stimme des Geistes überhört. Aber dort, wo ich gehorchen konnte, habe ich immer auch Hilfe erfahren.
Ich wünsche Ihnen und mir, dass unser Ohr und Herz offen wird für die Führung durch den Heiligen Geist und wir so immer stärker von Gottes Weisheit und Wille geleitet sind.

Bekenntnis zum Gebet

Roswitha Ermler:

Ich bekenne mich zum Gebet.
Das bedeutet, dass ich in meinem alltäglichen Leben mit Gott in Verbindung zu sein versuche. Mein Morgen beginnt mit dem Dank für die Nacht und mit der Bitte an Gott, den neuen Tag mit mir zu gehen. Ich trage ihm meine Sorgen und Bitten vor, kann ihn mit einem Lied loben und preisen und schließe die Nöte und Ängste meiner Mitmenschen mit ein.
Ich weiß auch, dass die täglich gelesenen Tagesgebete der Kirche mich mit vielen anderen Betenden verbinden. Am Abend lege ich meinen Tag mit allem was mir begegnet ist an Freud und Leid, Gespräch und Sorge zurück in Gottes Hände und danke Ihm für sein Mitgehen. Die tragende Kraft des Bittgebetes für Menschen, deren Krankheit und Not ich kenne, habe ich oft dankbar erleben dürfen. Sehr wichtig ist mir auch das Beten und Bitten in der Gemeinschaft - zum Beispiel im Gebetskreis.
Ich glaube ganz fest an die Wirksamkeit des Gebetes.

Bekenntnis zum Ewigen Leben und zur Vollendung bei Gott

Dr. Klaus Michels:

Ich bekenne mich zum Ewigen Leben und zur Vollendung bei Gott.
Im Mittelpunkt der christlichen Heilsbotschaft steht der Glaube an "die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt".
Immer wieder hat Jesus Christus uns diesen Glauben bestätigt:
Er sagt seinen Jüngern: "Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wäre es nicht so, ich hätte es euch gesagt, denn ich gehe nun hin, euch einen Platz zu bereiten!" (Joh 14;2)
Und Paulus berichtet (u.a. im 8. Kapitel des Römerbriefes) von der Sehnsucht der Schöpfung:
"Jetzt ist unser Leben der Vergänglichkeit und dem Tod unterworfen, dann aber wird alles Unvollkommene von uns abfallen und wir gelangen zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes!" (s.a. 1 Kor 13;12) "Also glauben und warten wir auf die kommende Welt."
Mit Guardinis Worten bitten wir dich, Herr: "Lehr' uns warten in Hoffnung. An der kommenden Welt gib uns Teil, dass wahr an uns werde die Verheißung der Herrlichkeit!"
(Romano Guardini: Gebet in der währenden Stunde)

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Last updated 15.09.09