Predigten 2003


Mit der Bibel durch die Fastenzeit


Predigt von Dekan Dr. Czeslaw Lukasz, am Sonntag, 9. März 2003
 
 

Worte, die selig machen

Fastentuch 2003 in St. Albertus Magnus "Selig, wer diese Worte liest und wer sie hört" – so lesen wir auf unserem diesjährigen Fastentuch an der Altarwand. Dieser Spruch, der von Offb 1,3 inspiriert ist, soll unsere Gemeinde durch die Fastenzeit begleiten. Der leicht skizzierte Umriss eines Buches weist darauf hin, um welche Worte es sich hier handelt: um die Worte der Bibel.
Es ist eine neue Seligpreisung: Selig, glücklich, werden Menschen gepriesen, wenn sie den Worten der Bibel Gehör schenken. Der Spruch erinnert uns daran: Unter vielen Worten und auch Unworten, die wir jeden Tag lesen und hören, haben die Worte der Bibel eine besondere Wirkung: Sie können Menschen selig – glücklich machen.
Das können die Worte der Bibel, weil sie Gottes Wort sind. Sie sind Geschenk Gottes an uns. In seiner Liebe und Güte hat Gott in der Zeit des Alten und des Neuen Testaments verschiedene Menschen berufen seine Worte aufzuzeichnen, damit sie den folgenden Generationen dienen. Diese Schriften "lehren sicher, getreu und ohne
Irrtum die Wahrheit, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte." (DV 11).
Diese Schriften sind ein Glaubensschatz der Kirche. Alles was wir als Hilfen zum Glauben brauchen, befindet sich in der Heiligen Schrift. Nützen wir diese Fastenzeit, um uns noch mehr dem Wort Gottes in der Bibel zu widmen. Der Spruch sagt uns, dass wir es auf zweifache Weise tun können: durch lesen und hören.

Lesen

Jeder von Ihnen wird eine Bibel zu Hause haben. Sie steht irgendwo auf dem Bücherregal, vielleicht ein bisschen verstaubt, weil andere Bücher und Zeitschriften oft interessanter und wichtiger erscheinen. Nehmen wir uns in dieser Fastenzeit vor, die Bibel häufiger in die Hand zu nehmen, uns immer wieder Zeit zu gönnen, um aus ihr zu lesen. Lassen Sie sich überraschen von dem, was die Bibel so alles erzählt. Bibelfeste Christen haben sie schon längst als Lebensbegleiter entdeckt. Sie ziehen die Bibel in ganz vielen Dingen zu Rate. Sie gilt als Lebenshandbuch für gute und schlechte Zeiten. Es gibt keine Situation in unserem Leben, die nicht schon der Bibel bekannt wäre und zu der sie nichts zu sagen hätte. Sie drückt die Freude des Lebens aus, sie lädt zum freudigen Lobpreis Gottes ein, sie spendet Trost in schweren Zeiten, sie schenkt Worte, die weiter helfen. Deshalb macht eine persönliche Lektüre der Bibel selig: "Selig, wer diese Worte liest."

Hören

Eine zweite Art der Annäherung an die Heilige Schrift ist, ihre Worte zu hören. Hier in der Kirche wird aus ihr das Wort Gottes in jedem Gottesdienst verkündet. Hier ist das aufmerksame Hören des Evangeliums und der Lesungen des Alten und des Neuen Testaments wichtig. Haben Sie sich schon mal an einem Sonntagnachmittag gefragt: Welches Evangelium wurde heute im Gottesdienst gelesen? Als Jugendlicher habe ich mir vorgenommen, immer ganz fest aufzupassen, wenn aus der Bibel vorgelesen wurde, um auch danach zu Hause zu wissen, wovon die Rede war.
"Der Glaube kommt vom Hören" (Röm 10,17). Lernen wir aufmerksam zu hören. Dadurch bereiten wir dem Wort Gottes einen fruchtbaren Boden in uns, damit die Aussaat reiche Frucht in unserem Leben bringen kann. Ein guter Brauch ist es, sich die Sonntagslesungen schon zu Hause anzusehen, um sie in der Kirche intensiver verfolgen zu können. In unserem Monatszettel werden sie immer angegeben. Ein solches aufmerksames und gläubiges Hören macht selig. "Selig, wer diese Worte hört".

Bibelteilen

Das Lesen und das Hören der Worte der Bibel wird zu einer besonders intensiven Begegnung mit dem Gotteswort, wenn es in einem Kreis geschieht, in der Familie, in einer Gruppe, im Bibelkreis. Denken Sie bitte darüber nach, ob es auch Ihnen möglich wäre, wenn es noch nicht der Fall ist, die Bibel in einer Gemeinschaft zu lesen, sich gegenseitig auszutauschen und zu bereichern.

Ein Stern in der Dunkelheit

Im 2 Tim 3,16-17 wird auf die Wirkung der Bibel hingewiesen. "Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit; so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein". Gehen wir mit der Bibel durch die diesjährige Fastenzeit. Lassen wir uns von Gottes Wort führen und belehren, rüsten wir uns zu mehr Gerechtigkeit, zu mehr guten Werken durch die Inspiration die aus der Bibel kommt.
Der hl. Hieronymus, der altkirchliche Schriftgelehrte und Übersetzer der lateinischen Bibel schrieb: "Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen" - eine klare Aussage, die auch heute nichts von ihrer Wichtigkeit verloren hat. Die Heilige Schrift ist der Weg zu Christus, der Weg zum Glauben.
Fasten wir also dieses Jahr "mit der Bibel". Sie ist nicht nur Information, nicht nur ein Buch das unsere europäische Geschichte und Kultur zutiefst geprägt hat, sie ist eine Mitteilung Gottes. "Dein Wort ist Licht und Wahrheit; es leuchtet mir auf all meinen Wegen" – bekennen wir in einem Kirchenlied (GL 687).

Ich wünsche uns allen für die beginnende Fastenzeit diese Erfahrung, von der wir im Kanon bei der Übergabe der Wanderbibeln singen: "Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht. Es hat Hoffnung und Zukunft gebracht. Es gibt Halt, es gibt Trost in Bedrängnis, Not und Ängsten. Ist wie ein Stern in der Dunkelheit".

 
 
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Last updated 06.12.07