Predigten 2000


Woche der offenen Tür – Ziele und Motivation


Predigt von Pfarrer Lukasz am 24.9.2000


St. Albertus Magnus organisiert eine "Woche der offenen Tür". "Woche der offenen Tür" in der Kirche – klingt das nicht ein bisschen seltsam? Die Kirche bleibt immer offen. Jeder der will, darf hinein. Das unterscheidet die Kirche von den meisten Institutionen, wie Ministerien, Schulen, Betrieben, deren Menschenfluss streng geregelt ist. Um einen Einblick in den "Betrieb" zu ermöglichen, müssen diese Organisationen einen "Tag der offenen Tür" machen. Aber die Kirche? Die Tür steht immer offen. Es gibt auch keine geschlossenen Gruppen – ohne vorherige Voranmeldung darf ich zu jeder Gruppenstunde kommen. Die Termine werden bekannt gegeben. Eine einzige Ausnahme sind Sitzungen der Kirchenverwaltung - sonst sind alle Treffen offen, jeder darf an ihnen teilnehmen. Wozu dann die "Woche der offenen Tür"?

Und dennoch ist in unserer Gemeinde die Initiative entstanden, eine Woche der offenen Tür vom 7. bis 15. Oktober zu organisieren. Der Anlass ist das große christliche Jubiläumsjahr 2000. Wir wollen uns vorstellen als eine Gemeinde, die 2000 Jahre nach der Geburt Christi sich bemüht, nach seinem Evangelium zu leben. Deshalb das Motto: "Kommt und seht – 2000 Jahre danach". Wir wollen ein Zeichen setzen vor allem für Leute, die der Kirche, unserer Gemeinde, fern stehen. Wir wollen sie an uns erinnern und sie einladen zu uns zu kommen.

Evangelisierungsauftrag

Wir wollen dabei dem Auftrag Jesu nachgehen, der gesagt hat: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! (Mk 16,15). Dass wir heute Christen sind, dass wir dieses Gotteshaus haben, in dem wir uns versammeln, dass es diese Gemeinschaft von Frauen und Männern gibt, ist den Menschen der zwanzig christlichen Jahrhunderte zu verdanken, die ihren Glauben vorgelebt und an die neuen Generationen weitergegeben haben.

Gehet hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen – dieser Auftrag Jesu darf bei den Feierlichkeiten 2000 nicht überhört werden. Er gilt auch heute. Das Evangelium, der Glaube, die Gemeinschaft der Kirche, müssen weitergegeben werden. Eine Kirche, eine Pfarrgemeinde, die das Evangelium nicht verkündet, ist keine Kirche und keine Gemeinde im Sinne Jesu.

Wer soll das machen? Ja, genau, das ist die Frage: Wer soll das machen? Wer sollte sich hier angesprochen fühlen? Nein, nicht nur die da! Sondern auch wir: wir als eine Kirchengemeinde, wir – das heißt Sie und ich von St. Albertus Magnus. Es ist unsere Ehre und unsere Aufgabe vor der Welt, vor unseren Mitmenschen Zeugnis des Evangeliums zu geben, die Botschaft von Gott, der die Welt und uns in Jesus grenzenlos geliebt hat, durch unsere Taten und Worte heute zu verkünden.

Das Jahr 2000 ist nicht nur ein Jahr der Dankbarkeit, der Feierlichkeiten, sondern auch ein Jahr der so genannten "neuen Evangelisierung". Die neue Evangelisierung bedeutet nicht, dass wir jetzt auf Seelenfang gehen müssen. Unter den salbungsvoll redenden Predigern in der Fußgängerzone wird es auch im Jahr 2000 wahrscheinlich keinen katholischen Prediger geben – wobei dies auch mal interessant wäre. Wir dürfen uns aber als Pfarrgemeinde in den Kirchenmauern und in den kirchlichen Räumlichkeiten nicht verschanzen. Zur Feier des Jahres 2000 gehört auch, dass wir uns zu unserem Glauben vor anderen Menschen offen bekennen.

Menschen in unserer Umgebung

Deshalb wollen wir die Woche der offenen Tür zum Anlass nehmen, über unseren Evangelisierungsauftrag nachzudenken um den einen oder andern konkreten Schritt in die Richtung zu machen. "Evangelisieren" wollen wir nicht die fernen Länder, wo wir nicht leben. Wir wollen Menschen ansprechen, die wir kennen. Das sind Ihre Nachbarn, Ihr Freundeskreis, Ihre Bekannten, das sind auch die im Glauben eingeschlafenen Familienangehörigen.

Verkündet ihnen das Evangelium, würde für Sie bedeuten: Dass Sie diesen Leuten helfen, die Hemmschwelle zu überwinden und doch mal zu einer Veranstaltung oder zu einem Gottesdienst zu kommen. Der Handzettel mit dem detaillierten Programm, den Sie heute bekommen, soll es Ihnen leichter machen über unsere Gemeinde und vielleicht auch über Ihren Glauben und Ihre Kirchenverbundenheit mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Das Bedürfnis, die Fragen an den Glauben und an die Kirche sind da - trotz der jetzigen, für die katholische Kirche ungünstigen Großwetterlange. Die Fragen sind da, die Fragen, auf die das Evangelium und die Kirche Antwort geben können. Viele Menschen sind auf der Suche und – wie ich bereits in der Pfingstpredigt gesagt habe - unsere Gesellschaft ist christlicher als wir es oft annehmen. Es tut auch uns selbst gut, die Zurückhaltung mal zu überwinden und offen über unseren Glauben und unsere Gemeinde zu sprechen. Unsere Umgebung ist nicht so unchristlich, Ihre Nachbarn sind nicht so unchristlich wie man oft denkt. Rein statistisch gesehen: Zwei Drittel aller Deutschen fühlen sich einer Kirche verbunden, und in Bayern sind die Katholiken in der Mehrheit. Gemeinsamkeit kann man schneller finden als man vermutet. Anstatt unsere christliche Lebenseinstellung oft zu verstecken und immer über Wetter oder Kinder zu sprechen, könnten wir uns gegenseitig mal im Glauben stärken. Warum wollen Sie nicht einmal laut sagen, dass Sie auf Ihr Christsein stolz sind?

Informieren, einladen, begleiten

Dadurch, dass Sie z.B. vor Ihren Nachbarn Ihre Karten offen legen, können Sie Ihnen helfen, die Angst vor der Kirche zu überwinden. Nicht selten fehlt es den Menschen an Mut – weil sie vielleicht seit längerer Zeit nicht mehr in der Kirche waren, weil sie sich fürchten, dass sie sich unter den Gottesdienstbesuchern fremd vorkommen, oder sie haben Angst sich vereinnahmen zu lassen. Helfen Sie bitte diesen Menschen ihre unbegründeten Ängste zu überwinden.

Es geht dabei nicht um einen groß angelegten Bekehrungsversuch – nur der Herr, kann die Herzen der Menschen öffnen. Es geht darum, dass Sie Informationen über unsere Pfarrgemeinde weitergeben, dass Sie auf uns aufmerksam machen, dass Sie auf uns neugierig machen. Unser Programm in der Woche der offenen Tür bietet nicht nur Gebete und Gottesdienste an. Es gibt Angebote für jedes Alter, jedes Interesse und jeden Geschmack. Ein nettes Wort über unsere Pfarrgemeinde, ein einladendes Wort zu einer Veranstaltung könnte unter Umständen genügen: Haben Sie schon gelesen? In St. Albertus Magnus, die machen jetzt etwas tolles, am Mittwoch Abend kann jeder in der Chorprobe mitsingen. Ich gehe hin. Gehen Sie mit? Und so bei vielen anderen Angeboten: für Kinder, für Jugendliche, für junge Familien, für Wissensdurstige und Diskussionsfreudige, für die, die sich gerne für "Eine-Welt" oder im Caritativen Helferkreis engagieren möchten, für die, die gerne kegeln oder mehr über die Kirche im Internet erfahren möchten. Lesen Sie sich durch das Programm durch, kommen Sie selbst und fassen Sie den Mut, andere zu informieren und einzuladen. Vielleicht kann der Funke des Glaubens, der bei diesen Frauen und Männern in der Taufe gelegt wurde, wieder aufleuchten.

Mut fassen

Gehet hinaus in die ganze Welt – das bedeutet für uns, für Sie heute ganz konkret: Nehmen Sie das Programm mit und sprechen Sie darüber mit den Menschen, die in Ihrer Umgebung wohnen. Informieren Sie sie, laden Sie sie ein, begleiten Sie sie hierher. Geben Sie ein mutiges Zeugnis ihrer Gemeindezugehörigkeit und ihres Glaubens: "Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen" – sagte Jesus (Mt 10,32).

Bekennen Sie sich, oder wie man es heute sagt: Outen Sie sich ein bisschen mehr als Christen im Jubiläumsjahr 2000. Ich würde Sie heute um ein offenes und fröhliches Christuszeugnis bitten. Leisten Sie ihren Beitrag dazu, dass das Licht Christi, das hier in diesem Gotteshaus brennt, auch draußen in den Häusern und Wohnungen unseres Pfarrsprengels leuchtet. "So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen." (Mt 5,16)

Machen Sie diesen mutigen Schritt, auch als Zeichen der Dankbarkeit für Ihren eigenen Glauben in diesem Jahr 2000, als ein Zeichen der Dankbarkeit gegenüber dieser Gemeinde, in der Sie geistige Heimat finden, die Sie mittragen, die Sie auch in der Zukunft lebendig haben möchten. Gottes Geist und Gottes Segen mögen uns bei diesem Vorhaben begleiten!



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Last updated 04.12.07