Predigten 2000


Ein Höhepunkt im Jahr 2000


Predigt von Pfarrer Lukasz in der Osternacht 2000

Eine großartige Nacht

Eine Nacht wie diese braucht nicht viele Worte. Die eindrucksvolle Liturgie, die wir jetzt feiern, spricht selbst eine Sprache, die tiefer als menschliches Reden ins Herz geht. Das Licht der Osterkerze, die in die dunkle Kirche herein getragen wurde, bringt mehr Helligkeit in unsere Herzen als die strahlende Mittagssonne. Das feierliche Osterlob erklärt, warum diese Nacht so hell ist:

Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg.
Der Glanz dieser heiligen Nacht nimmt den Frevel hinweg, reinigt von Schuld, gibt den Sündern die Unschuld, den Trauernden Freude. Weit vertreibt sie den Hass, sie einigt die Herzen und beugt die Gewalten
.

O wahrhaftig selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet!

Die biblischen Texte dieser Nacht verkünden die großen Taten Gottes in der Geschichte, als Gott das Licht in die Dunkelheit der Erde und seiner Bewohner gebracht hat: Bei der Erschaffung der Welt (Gen 1), bei der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei (Ex 14), mit dem Geschenk eines neuen liebenden Herzens (Ez 36). Das Licht ist aber am hellsten erschienen in der Früh eines Ostermorgens damals in Jerusalem. Leuchtende Gestalten verkündeten den Frauen vor dem dunklen Grabeingang: Er ist nicht da, er ist auferstanden, er lebt!

Dieses selbe Licht leuchtet uns an diesem Ostermorgen. Ihre zahlreiche Anwesenheit hier ist ein klares Zeichen dafür, dass dieses Licht nach fast 2000 Jahren weiter brennt, dass dieses Licht Sie erreicht hat, dass Sie zu diesem Licht stehen. Um diese frühe Morgenstunde schlafen noch die meisten Menschen, auch viele Christen. Sie schlafen vielleicht noch fester als die Wache, die bei dem Grab Jesu aufgestellt wurde und wie die Wache ahnen sie nicht was geschieht. In der noch nächtlichen Stunde dieses Ostermorgens sind Sie in dieses Gotteshaus gekommen um – wie damals die Frauen – sich mit dem selben Licht erfüllen zu lassen und die selbe ungeheuere, umwerfende Botschaft zu hören: Er ist auferstanden, er lebt!

Der Auferstandene - Mitte unseres Glaubens

Diese Erfahrung des Ostermorgens, dass Gott stärker ist als der Tod, leitete die Wende in der Geschichte der Menschheit ein. Nicht der Weihnachtsruf: "Christus ist geboren", sondern die österliche Botschaft "Christus ist auferstanden, er lebt!" setzte eine Energie in die Welt, die die Menschheit bis zu unseren Tagen entscheidend geprägt hat. Diese Botschaft befreit von den Ängsten des Lebens, sie befreit von der verkrampften Gier, sein Leben selbst bauen zu müssen, sie befreit von der Täuschung, auf sich selbst angewiesen zu sein, sie entkrampft, sie macht frei, so wie Jesus frei wurde von den Fesseln des Todes, die ihm die Menschen angelegt haben.

Im Jubiläumsjahr 2000 wird uns immer deutlicher, dass es auf ihn ankommt, dass er, der Auferstandene, die Mitte unseres Glaubens und unseres Lebens ist, er, der Herr über die Zeit: Christus gestern, heute und in Ewigkeit. Die Kirche bekennt sich in diesem Jubiläumsjahr besonders zu Jesus. Das gläubige Volk hat hier die offiziellen Pläne der Kirche zur Feier des Jahres 2000 durcheinander gebracht. Nach drei Vorbereitungsjahren, die Gott dem Schöpfer aller Menschen, Jesus dem Erlöser und dem heiligen Geist gewidmet waren, war geplant, das Jahr 2000 dem dreieinigen Gott zu widmen, der Heiligen Dreifaltigkeit. Wir sind aber Zeugen davon, dass die Christen, auch unsere Gemeinde, in diesem Jahr besonders auf Jesus blicken. Er steht in der Mitte, er: Jesus Christus, das Mensch gewordene Wort Gottes, unser Herr.

Diesen Christus, den Auferstandenen, haben wir auf unserer Osterkerze 2000 abbilden lassen. Von ihm singen wir in unserem Heilig-Jahr-Lied: Christus gestern – Christus heute – Christus, Christus in Ewigkeit. Ihm danken wir für zweitausend Gnadenjahre.

Erwachsenentaufe

Die Osternacht war immer ein wichtiger Tauftermin. Sie war in der Urkirche der einzige Tauftermin. Bis zum 5. christlichen Jahrhundert wurden in dieser Nacht, der Nacht der Befreiung von den Fesseln des Bösen, nur erwachsene Männer und Frauen getauft. Der Brauch, die Kinder taufen zu lassen, wurde erst in den darauf folgenden Jahrhunderten eingeführt. Es ist deshalb in unserer Gemeinde dieses Jahr ein besonderes Ereignis, wenn heute eine erwachsene Person die Taufe empfängt. Frau Kowarzik hat sich seit mehreren Monaten sehr intensiv auf den Empfang der Taufe vorbereitet. Heute ist es so weit. Sie wird heute getauft. Sie wird auch heute das Sakrament der Firmung empfangen und sie wird auch heute zum ersten Mal voll an der Eucharistiefeier teilnehmen durch den Empfang der Kommunion. Im Namen unserer Pfarrgemeinde danke ich Ihnen, Frau Kowarzik, für Ihr Zeugnis, ich danke Ihnen auch dafür, dass Sie den Mut hatten, hier von diesem Ambo aus von Ihrer Absicht und von den Vorbereitungen zu berichten. Ich empfinde, dass die Taufe einer erwachsenen Person, uns, die wir als Kinder getauft wurden, besonders anspricht. Die Entscheidung eines Erwachsenen Christ zu werden, fordert uns als Kind-Getaufte heraus. Sie stellt Fragen an unseren eigenen Glauben, sie verlangt von uns ein bewusstes und überzeugtes Bekenntnis zu Christus.

Wir werden jetzt gleich unser Taufversprechen erneuern. In der Erneuerung des Taufversprechens gipfelt die Liturgie dieser Nacht. Dieser Moment ist das Ziel der Fastenzeit, das Ziel der Buße und der Umkehr. Er ist der Höhepunkt der Kirchenjahres, und damit auch der Höhepunkt des Jubiläumsjahres 2000. Wenn nach der Taufe von Frau Kowarzik das Taufwasser über die Gemeinde verteilt wird, wenn ein Tropfen dieses Wassers auf unsere Köpfe fällt, dann bekennen wir uns erneut mit ganzem Herzen zu Jesus Christus und zu unserem Christsein.

Ein neuer Mensch werden

Die Taufe und die Erneuerung des Taufversprechens werden in die Osternachtsfeier eingesetzt, weil getauft zu werden bedeutet, an der Auferstehung Christi teilzuhaben. Die Taufe und das Christsein sind sozusagen die Umsetzung der Auferstehung Christi ins Leben der Menschen. Durch den Sieg Jesu über den Tod ist uns die Möglichkeit gegeben, an der neuen Wirklichkeit, die Christus öffnet, Anteil zu erhalten. So wie Christus von den Toten auferstanden ist und nicht mehr stirbt, so können auch wir neue Menschen werden und als neue Menschen leben. Lasst uns also heute bei der Osterfeier 2000 noch ein bisschen mehr ein neuer Mensch werden, ein neuer Mensch, der fähig ist selbstlos zu lieben, der Hoffnung ausstrahlt, der Frieden stiftet.

So kann die Geschichte Gottes mit dem Menschen, die Heilsgeschichte, die mit der Erschaffung der Welt begann, durch unser authentisches Christsein weitergehen, so kann das Licht dieser Nacht, das Licht Christi, in das nächste Jahrtausend hinein scheinen, so kann dieses Licht die Dunkelheiten und die Unsicherheiten, die sich auf dem Horizont der Zukunft sammeln, vertreiben, die Menschheit mit der Zuversicht erfüllen, dass das Gute das Böse besiegen wird.

Wir haben das Jahr 2000 in der Silvesternacht mit dem feierlichen "Halleluja" begrüßt. Der österliche Gesang "Halleluja - lobet den Herren", war auf unseren Lippen als die Glocken die Mitternacht 2000 geschlagen haben. Diese heutige Nacht ist viel wichtiger als die Silvesternacht. Lasst uns deshalb unser Halleluja an diesem Ostermorgen noch freudiger und überzeugter singen: Halleluja, lobet den Herren, denn er hat Großes an uns getan. 



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Last updated 04.12.07