Predigten 2000


Warum die Kelchkommunion?

Predigt von Pfarrer Lukasz an Fronleichnam 2000

Sie haben wahrscheinlich gemerkt, dass wir an den letzten Sonntagen im 10-Uhr-Gottesdienst die Heilige Kommunion in Gestalt von Brot und Wein ausgeteilt haben. Wir möchten diese Praxis fortsetzen. Am heutigen Fronleichnamsfest möchte ich dazu ein paar erklärende Worte sagen.

Brot und Wein gehören zusammen

Brot und Wein, Leib und Blut Christi, gehören in der Eucharistiefeier untrennbar zusammen. Im Laufe der Kirchengeschichte hat es sich aber so ergeben, dass im Gottesdienst die Gläubigen nur die Heilige Hostie empfangen haben, während aus dem Kelch nur der Priester getrunken hat. Bei diesem Brauch haben vor allem praktische Gründe eine Rolle gespielt: Brot, Hostien, kann man leichter verteilen, als den Wein.

Das heutige Fronleichnamsfest mit der Fronleichnamsprozession hebt auch mehr das Brot, den Leib Christi, hervor, als den Wein, das Blut des Herrn. Für viele wird deshalb Fronleichnam zum Fest "nur" des Leibes Christi. Das sagt uns auch der alte deutsche Name: Fronleichnam bedeutet "des Herren Leib". Gegen diese einseitige Betonung des Leibes Christi hat die Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils zu wirken versucht. Der volle liturgische Name des Festes lautet seitdem: "Hochfest des Leibes und Blutes Christi". Nicht nur der Leib des Herrn, sondern auch das Blut des Herrn soll am heutigen Fest angebetet und empfangen werden.

Heilsgeschichtliche Bedeutung des Blutes

Die biblischen Berichte über das letzte Abendmahl, auch der heute gelesene von Markus, überliefern einstimmig:
Während des Mahles nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.
Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus.
Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird (Mk 14,22-24).

Auch die beiden anderen Texte, die dieses Jahr am Fronleichnamsfest gelesen werden, zeigen, wie präsent in der Heilsgeschichte und wie theologisch wichtig das Blut ist.

Das Buch Exodus berichtet, dass der Bund zwischen Gott und den Menschen mit dem Blut der Opfertiere besiegelt wurde. Mose nahm das Blut der Tiere, die als Bundesopfer geschlachtet wurden und besprengte damit zuerst den Altar und dann das Volk und sagte dabei: Das ist das Blut des Bundes, den der Herr mit euch geschlossen hat (Ex 24,3-8). Dieses Tun ist die alttestamentliche Figur von dem Neuen Bund, den Jesus mit seinem eigenen Blut besiegelt hat. In dem neuen Bund braucht man deshalb, so der Hebräerbrief, keine Tieropfer und kein Blut von Böcken und Stieren mehr, denn das Blut, das Jesus vergossen hat, übersteigt alle bisherigen Opfer. Nur sein Blut kann die Herzen der Menschen reinigen und sie zu Gott bringen (Hebr 9,11-15).

In jeder Eucharistiefeier wird an diese Wirkung des Blutes Christi liturgisch erinnert. Über den Kelch spricht der Priester uns gut vertraute Worte Jesu vom letzten Abendmahl:
Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird.

Jesus wollte, dass wir das wiederholen und dadurch seine Hingabe immer wieder unter uns präsent machen, deshalb hat er hinzugefügt: "Tut dies zu meinem Gedächtnis".

Diesem Auftrag Jesu möchten wir in unserer Gemeinde gezielter nachkommen, und zwar nicht nur dem ersten Teil: Nehmt und esst, das ist mein Leib, sondern auch dem zweiten Teil: Nehmt und trinkt, das ist mein Blut. Unter den beiden Gestalten von Brot und Wein möchten wir den Herrn öfters empfangen.

Das Mahl feiern

Dabei geht es auch darum, dass wir der Zeichenhaftigkeit der Liturgie größeren Raum widmen und vor allem den Mahlcharakter der Eucharistiefeier hervorheben.

Die Eucharistie, die Jesus am Gründonnerstag eingesetzt hat, war ein Mahl. Aus diesem Mahl hat sich im Laufe der Jahrhunderte, aufgrund der steigenden Zahl der Gläubigen, unsere heilige Messe entwickelt, deren Mahlcharakter leider unterschlagen wurde und heute, auch nach dem 2. Vaticanum immer noch nicht deutlich genug zum Ausdruck kommt. Auch das Brot, das Jesus unter den Jüngern beim letzten Abendmahl verteilt hat, hat sich in den nachfolgenden Jahrhunderten - in der kirchlichen Praxis - verändert und die Form einer weißen Oblate angenommen. Seitdem wird nicht das übliche Brot, sondern die Hostie, die auch Brot ist, nur auf ungewöhnliche Weise gebacken, in den Eucharistiefeiern verteilt als das Brot des Lebens, das Jesus uns als wahre Speise hinterlassen hat.

Wie gesagt, der zweite Auftrag Jesu als er den Kelch mit Wein verteilt hat mit den Worten: "Nehmt und trinkt, das ist mein Blut, das für euch vergossen wird" wurde in der kirchlichen Praxis unterschlagen mit der Begründung: Wir sind so zahlreich in der Kirche, dass die Teilnahme aller Anwesenden an der Kelchkommunion auf praktische Schwierigkeiten stößt. Diese praktischen Schwierigkeiten halte ich in der Situation unserer Gemeinde für überwindbar. Die Erfahrungen, die wir mit der Kelchkommunion am Gründonnerstag gemacht haben, wie auch bei den Gottesdiensten am Donnerstagabend oder im kleineren Kreis sprechen für diese Neuerung. Es geht darum, dass wir die Eucharistie immer mehr als das Mahl des Herrn feiern und dass beide Gaben, Brot und Wein, zur Quelle des Heils für uns werden.

Es ist eine Einladung

Wir werden nicht die erste Pfarrgemeinde sein, die alle Anwesenden regelmäßig zur Kelchkommunion einlädt. Bei vielen Gemeinden ist es bereits eine feste Praxis. Ich möchte Sie deshalb heute ermutigen dies zu unterstützen, die Einladung des Herrn anzunehmen und ihn unter den Gestalten von Brot und Wein zu empfangen. Fühlen Sie sich dabei aber frei, lassen Sie sich Zeit, sollte diese Praxis für Sie jetzt eine Überforderung sein. Die Kelchkommunion bleibt eine Einladung und ist selbstverständlich freiwillig. Den Kindern, den jüngeren Ministranten, möchte ich jedoch raten, noch ein bisschen zu warten, z.B. bis zur Firmung, wenn sie durch das Sakrament zu mündigen Christen erklärt werden. Wie gesagt, die Kommunion in beiden Gestalten wird nur in den Gottesdiensten um 10 Uhr ausgeteilt.

So weit eine kurze Erklärung zur Kelchkommunion am heutigen Hochfest des Leibes und Blutes Christi.

Jetzt gleich wird der Tisch des Herrn für das Mahl hergerichtet: Die Gaben von Brot und Wein werden gebracht. In diesen Gaben schenkt Jesus uns seine besondere Gemeinschaft. Wenn wir sie als Leib und Blut Christi empfangen, wird er in uns bleiben und wir in ihm, wie er selbst gesagt hat:
"Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm
." (Joh 6,54-56).



Copyright © 10 / 1999 - 2009 by Dieter Herberhold
Last updated 04.12.07