Predigten 2000


Friedensgruß aus dem Heiligen Land

Predigt von Pfarrer Lukasz nach der Jubiläumsreise der Pfarrei ins Heilige Land.

Shalom!

Aus der heiligen Stadt Jerusalem bringen wir Ihnen einen Friedensgruß: Shalom alechem! Salam alaikum! Der Friede sei mit euch! Diesen Gruß spreche ich Ihnen aus im Namen von 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Pilgerreisegruppe unserer Pfarrei ins Heilige Land. Sehr begeistert und überglücklich sind wir am vergangenen Dienstagabend (28.3.) zurück nach Hause gekommen. Wir möchten Ihnen heute unsere Freude über diese einmalige Jubiläumsreise mitteilen und Sie einladen, für den Frieden im Heiligen Land zu beten.

Auf den Spuren Jesu

Zum Abschluss unserer Reise sind wir am Dienstagvormittag, kurz vor dem Abflug, auf den Spuren Jesu, seinen Kreuzweg gegangen. Dieser Kreuzweg führt zur Grabeskirche, in der sich der Felsen von Golgota, der Kalvarienberg, befindet: Dort, auf diesem Felsen, den die Pilger ehrfurchtsvoll mit der Hand berühren, ist das Kreuz Jesu gestanden, dort ist Jesus in den Tod gegangen, damit wir alle das Leben in Fülle haben. Dort ist das geschehen, wovon das heutige Evangelium berichtet: Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. (Joh 3, 14-15). Aus der Höhe dieses Hügels und aus der Höhe des Kreuzes spendete Jesus Heil und Leben.

Nachdem er zum letzten Mal geatmet und seinen Geist dem Vater übergeben hat, wurde sein Leichnam in einem nahe gelegenen Grab beigesetzt. Unser Kreuzweg endete vor diesem Grab. Wir dankten dort Gott für Jesus, für seinen Tod und für seine Auferstehung mit einem österlichen "Halleluja", das wir vor dem leeren Grab Christi gesungen haben, in Anwesenheit von Hunderten von Pilgern aus aller Welt, die die Kirche füllten. Dieses österliche "Halleluja" war der krönende Abschluss unserer Reise.

Die Freude darüber, dort sein zu dürfen im Heiligen Jahr 2000, war übergroß. Es ist die selbe Freude von der der Psalmist spricht im Psalm 122,1: Ich freute mich als man mir sagte: "Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern". Das Haus des Herrn – das war für die Israeliten der Tempel. Für uns Christen ist dieses Haus des Herrn die heutige Grabes- bzw. Auferstehungskirche, die über dem Kalvarienberg und über dem Grab Jesu steht. Es ist der Ort, an dem unser Heil geschehen ist. Es ist das wichtigste Gotteshaus der Christenheit. Dort und an vielen anderen Orten haben wir auch für Sie, für Ihre Familien und für unsere ganze Pfarrgemeinde gebetet.

Es war ein einmaliges Erlebnis in diesem Jubiläumsjahr, mit vielen Christen aus verschiedenen Ländern der Erde, darunter auch der Papst selbst, die Wirkungsstätten Jesu und die Stätten der biblischen Geschichte im Heiligen Land, in Israel, Palästina und Jordanien, zu besuchen, an ihnen die Bibel zu lesen, zu beten und zu singen. Bethlehem, Nazareth, Kana, Kafarnaum und andere Orte scheinen noch heute über Jesus zu sprechen und öffnen uns ein tieferes Verständnis seiner Botschaft.

Jerusalem – die heilige Stadt der Juden, Christen und Muslime

Jerusalem nimmt unter den heiligen Stätten als der Ort des österlichen Geschehens einen besonderen Platz ein. Zu dieser, auch heute einmalig beeindruckenden Stadt, haben nicht nur die Juden, sondern auch wir Christen eine besondere Beziehung. Diese Stadt darf nicht vergessen werden, wie es im Psalm 137,5-6 heißt:

Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren. Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich an dich nicht mehr denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.

Jerusalem - für die Juden die Hauptstadt des Alten Testaments mit dem Tempel, dem heiligsten Ort des jüdischen Glaubens. Jerusalem - für die Christen die Stadt des österlichen Geschehens und die Heimatstadt der christlichen Urgemeinde. Jerusalem - für Muslime, nach Medina und Mekka, die drittwichtigste Stadt, in der der Prophet Mohammed in den Himmel emporgestiegen sei. Die goldene Kuppel des moslemischen Felsendomes dominiert heute das Stadtpanorama. Diese Stadt, die Heimat der drei großen monotheistischen Religionen, darf von uns nicht vergessen werden.

Alles soll getan werden, damit Jerusalem eine Stadt bleibt, in der Menschen verschiedener Religionen, Sprachen und Kulturen, miteinander friedlich leben. Jerusalem soll eine Stadt bleiben, die vielen gehört. Dafür setzt sich seit langem die Kirche und die kirchliche Diplomatie ein: Keine einzige Religion, kein einziges Volk dürfe nur für sich selbst diese Stadt beanspruchen. Das hat auch der Papst während seiner Reise wiederholt betont. Wir waren Zeugen davon, wie seine Botschaft der Versöhnung und des Friedens viele Herzen, auch von Israelis und Muslimen, erreicht hatte. Die Mauern der Feindschaft und des Misstrauens zwischen Israelis und Palästinensern scheinen kleiner geworden zu sein. Eine Hoffnung ist geweckt, dass es zu einer friedlichen Lösung des bestehenden Konflikts und des politischen Status Jerusalems kommen kann, zu einer Lösung, die die Stabilität in der Region, den Frieden und die Freiheit für alle drei Religionen sichern würde. Wir hatten den Eindruck, dass es dem Papst gelungen ist, es allen recht zu machen: Den Israelis durch die Unterstützung der Friedenspolitik von Ministerpräsident Barak, den Palästinensern durch die Unterstützung ihres Verlangens nach dem eigenen Staat, den in viele kleine Glaubensgemeinschaften getrennten Christen, die ungeachtet der Trennungen, den Papst umjubelten, durch Ermutigung zu ihrem Glauben zu stehen.

Christen in Israel und Palästina

Die Situation der Christen im Heiligen Land, in Israel und Palästina, ist nicht beneidenswert. Sie machen insgesamt nur 2-3 % der ca. 6 Mio. Einwohner aus, d.h. sie sind nur etwa 150.000. 95 % davon sind palästinensische Araber und ihre Muttersprache ist arabisch. Man versteht deshalb, warum der Papst den Palästinensern so viel Aufmerksamkeit gewidmet hat – es geht dabei auch um die Unterstützung der Mitchristen. Der römisch-katholische Bischof von Jerusalem, der lateinische Patriarch Michael Sabbah, ist ein palästinensischer Christ aus Nazareth. Als eine kleine Minderheit tun sich die Christen schwer zu leben und zu arbeiten in der Gesellschaft, die in Israel vom jüdischen Glauben und in Palästina vom Islam dominiert ist. Deshalb wandern leider viele Christen aus dem Heiligen Land aus. Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich die Zahl der Christen in Jerusalem von 30.000 auf 10.000 verkleinert.

Erbittet für Jerusalem Frieden

Wir dürfen deshalb die heilige Stadt Jerusalem nicht vergessen. Wir müssen für das Heilige Land und für Jerusalem beten und in dem uns möglichen Rahmen die Friedensbemühungen zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten unterstützen. Am 13.9.2000 soll der Staat Palästina von Jassir Arafat ausgerufen werden – möge dieser Akt dem Frieden in der Region dienen.

Wenn man um die komplizierte politische Lage Jerusalems weiß - Israel und Palästina möchten hier ihre Hauptstadt haben - wenn man die Juden, die bei der Klagemauer beten sieht, die Muslime, die auf dem Tempelberg sich in Tausenden versammeln, die Christen, die auf den Spuren des Leidens und des Todes Jesus gehen, wenn man die Vielfalt der Menschen und Kulturen in Jerusalem sieht, dann kommt einem spontan auf die Lippen das alte biblische Gebet um den Frieden für die heilige Stadt. Der Psalm 122, ein Lied zur Wallfahrt nach Jerusalem, war unser Lieblingsgebet in der heiligen Stadt:

Erbittet für Jerusalem Frieden! Wer dich liebt, sei in dir geborgen. Friede wohne in deinen Mauern, in deinen Häusern Geborgenheit. Wegen meiner Brüder und Freunde will ich sagen: In dir sei Friede. Wegen des Hauses des Herrn, unseres Gottes, will ich dir Glück erflehen. (Ps 122,6-9)

Wir befinden uns in der österlichen Bußzeit, wir gehen auf die Karwoche und das Osterfest zu. Wir werden uns dann geistig nach Jerusalem versetzen, uns unter den Kalvarienberg und vor das leere Grab stellen, um in der Osternacht das fröhliche "Halleluja" zu singen. Wir beten heute darum, dass der österliche Friede im Heiligen Land, in der heiligen Stadt Jerusalem und auch in unseren Herzen wohne.



Copyright © 10 / 1999 - 2009 by Dieter Herberhold
Last updated 04.12.07