St. Albertus Magnus Ottobrunn

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Der Kreuzweg

Zweiter Teil (Stationen VIII - XIV)
Dritter Teil (Auferstehung)

 

 

VIII. STATION
Jesus begegnet den weinenden Frauen

Kreuzweg, 8. Station
Auf dem Weg nach Golgatha begegnet Jesus den weinenden Frauen. Sie klagen um ihn und erfüllen so die Weissagung aus Sach 12,10f: "Sie werden um ihn klagen, wie man um den einzigen Sohn klagt; sie werden bitter um ihn weinen, wie man um den Erstgeborenen weint." Aber Jesus will nicht ihr Klagen, er will nicht ihr Mitleid, sondern ihre Umkehr. Sie sollen nicht über ihn weinen, sondern über sich selbst und ihre Kinder. Denn über sie wird ein größeres Unheil hereinbrechen. Jesus wird inmitten der klagenden Frauen zum Propheten über die Zukunft Jerusalems. Sein Leiden ist nicht der körperliche Schmerz, nicht sein Tod, der von Gott angenommen und in der Auferstehung zum Sieg verwandelt werden wird. Was Jesus schmerzt, das ist das Schicksal Jerusalems, das uneinsichtig bleibt und deshalb in der Katastrophe endet.


 
 
 
Kreuzweg, 9. Station

IX. STATION
Jesus fällt zum dritten Mal

Jesus fällt unter der Last seines Kreuzes. Er fällt nicht einmal, sondern dreimal, immer wieder. Alle Willensanstrengung reicht nicht aus. Er kann es nicht verhindern, vor allen seine Schwäche zu zeigen, seine Ohnmacht, sich selbst auf den Beinen zu halten. Er fällt vor den Augen der Gaffer, die seine Schwäche bejubeln, die immer schon wussten, dass mit dem nichts anzufangen ist, die immer schon lauthals verkündeten, dass man diesem Rabbi nicht trauen dürfe.


 
 

X. STATION

Jesus wird seiner Kleider beraubt

 

Kreuzweg, 10. Station
Kreuzwegstation 10
Die Kleider werden Jesus vom Leib gerissen. Er wird bloßgestellt. Die Gaffer können ihre gierigen Blicke auf ihn richten. Von dem brauchen sie nichts mehr zu befürchten. Von ihm wissen sie alles. Er kann nichts mehr vor ihnen verbergen. Die schützenden Kleider rauben sie ihm, allen Schutz nehmen sie ihm. Schutzlos vor bösen Menschen bloßgestellt zu werden, ist wohl der tiefste Schmerz, der je einen Menschen treffen kann. Sich am Leid des Anderen weiden, es genießen, wenn man seine Blöße offen legt, das ist der Gipfel menschlicher Grausamkeit.
 

 
Kreuzweg, 11. Station

XI. STATION

Jesus wird ans Kreuz genagelt

 

Jesus wird ans Kreuz genagelt. Es sind die Nägel unserer Feigheit und unserer Lieblosigkeit, mit denen er ans Kreuz geheftet wird. Wenn wir ihn leugnen und vor ihm davonlaufen wie die Jünger, dann durchbohren wir seine Füße. Wenn wir die Hand ausstrecken wider den Nächsten oder sie zurückziehen vor seiner Not, dann durchbohren wir Jesu Hände. "Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen" sagt uns der Prophet Jesaja (Jes 53,5). Unsere Sünden, unsere Unachtsamkeit, unsere Bosheit, das sind die Nägel, die Jesus ans Kreuz schlagen.


 
 

XII. STATION

Jesus stirbt am Kreuz

 

Kreuzweg, 12. Station
Jesus, der Sohn Gottes und zugleich ganz und gar Mensch, stirbt den Tod am Kreuz, den schändlichsten Tod, den die Antike kennt, den Tod der Verbrecher und Aufrührer. Jesus hält nicht an seiner Gottheit fest. Er entäußert sich bis in den Tod, ja bis zum Tod am Kreuze. Sein Werk scheint gescheitert. Er wollte den Menschen Gottes Barmherzigkeit verkünden, Gottes Nähe, die heilt und befreit. Aber sie wollten seine Botschaft nicht hören. Sie wollten den Botschafter Gottes mundtot machen, ihn aus der Welt schaffen. Denn er hat sie in Frage gestellt, er hat ihre Religion als Sicherungsmechanismus entlarvt, er hat ihre scheinbare Frömmigkeit als Egoismus durchschaut, als Versuch, Gott für sich zu vereinnahmen.
 

 
Kreuzweg, 13. Station

XIII. STATION

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

Jesus wird vom Kreuz abgenommen. Sein lebloser Leichnam wird in den Schoß seiner Mutter gelegt. Welch ein Schmerz für die Mutter, die zusammen mit den anderen Frauen unter dem Kreuz ausharrt, während die Jünger bis auf Johannes alle fliehen. Den sie in ihrem Schoß getragen und geboren hat, dem muss sie nun als Totem ihren Schoß von neuem hinhalten. Von dem die Engel bei seiner Geburt gesungen haben, dass er der Heiland der Welt sei, der fällt nun leblos in den Schoß seiner Mutter zurück. Auf den sie alle Hoffnung gesetzt hat, der stürzt sie nun in Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit. Aber die Mutter hält ihm trotzdem ihren Schoß hin. Sie verweigert sich auch dem Toten nicht.
 

 

XIV. STATION

Der heilige Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

 

Kreuzweg, 14. Station
   

Jesu heiliger Leichnam wird ins Grab gelegt. Menschen, die all ihr Vertrauen auf Jesus gesetzt haben, begraben mit ihm ihre Hoffnungen. Da ist Josef von Arimathäa, der auf das Reich Gottes wartete und es in Jesus gekommen sah. Da ist Nikodemus, der nachts zu Jesus gekommen war, weil er in ihm den Lehrer der Weisheit sah. Da ist Maria von Magdala, aus der Jesus sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Sie war in ihrer Verzweiflung Jesus begegnet und von ihm geheilt worden. Jesus hat sie vorbehaltlos angenommen. Das hat sie verwandelt. Aber jetzt muss sie ihn, dem sie alles verdankt, ins Grab legen. Da sind "die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren" (Lk 23,55). Sie waren fasziniert von der Person und Lehre Jesu. Nun müssen sie ihre Liebe, ihre Zuwendung, ihr Vertrauen begraben.

Fortsetzung

Anmerkung: Meditationstexte nach P. Anselm Grün OSB, Münsterschwarzach
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Last updated 11.01.10