St. Albertus Magnus Ottobrunn

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Der Kreuzweg

Erster Teil (Stationen I - VII)
Zweiter Teil (Stationen VIII - XIV)

Dritter Teil (Auferstehung, Station XV)

Ein Werk von Klaus Backmund

Kreuzweg in St. Albertus Magnus
Der Münchner Bildhauer Klaus Backmund hat im Jahre 1982 in beeindruckender Weise den Leidensweg Jesu Christi in 15 Stationen dargestellt.
 
 
Seine Gedanken zur Grundkonzeption hat der Künstler in folgenden Worten zusammengefasst:

"Die Kreuzwegstationen sind im Ausschmelzverfahren in Bronze gegossen und im Kirchenraum so angeordnet, dass bei der Betrachtung ein Weg zurückgelegt wird.
Die Geschehnisse auf Golgota sind dem Altar gegenüber angeordnet, wobei die 12. Station (Jesus stirbt am Kreuz), in der Größe hervorgehoben, dem auferstandenen Christus genau gegenübergestellt ist. Bewusst von den übrigen Stationen abgesetzt, ist die Darstellung des toten Christus im Grabe, damit auch formal der unermessliche Abstand zur Figur des Auferstandenen (15. Station) angedeutet wird. Ausformung und Begrenzung der Bilder sollen den Inhalt betonen. Der gleichen Ansicht dient der Maßstab der Figuren. Christus ist immer größer dargestellt als die jeweils begleitenden Gestalten. Aus demselben Grund sind alle Bilder auf die Menschen, ohne erzählende Beifügung, beschränkt.
Mögen die Darstellungen dem aufgeschlossenen Betrachter eine Hilfe zum persönlichen Gebet sein!"
 

Klaus Backmund

 

Kreuzwegmeditation

Schon die ersten abendländischen Pilger, die nach Jerusalem reisten, sind den Kreuzweg Jesu nachgegangen. Im 15. Jahrhundert entstand daraus die Kreuzwegandacht. Bis zum Jahre 1700 ist man den Kreuzweg immer gegangen. Im Freien waren die 14 Stationen angebracht, so dass es wirklich ein Pilgerweg war. Erst danach verlagerte man die Kreuzwegandacht in das Innere der Kirche, deren Wände man nun mit den Kreuzwegstationen schmückte. In unserer Kirche hat Klaus Backmund die 14 Kreuzwegstationen in Bronzeguss geformt. Als gleichsam 15. Station ist die Auferstehung in dem Auferstehungskreuz dargestellt. Darin folgt man der lateinamerikanischen Tradition des Kreuzwegs, der für sie eben nicht nur das Gedächtnis des Leidens, sondern auch Weg zur Befreiung, Weg zur Auferstehung ist.

Der Kreuzweg meditiert in 14 Stationen das Geheimnis des Leidens Jesu. In der Bibel gibt es diese 14 Stationen so nicht. Die Volksfrömmigkeit hat da manche hinzugefügt, etwa die Station der Veronika, die Jesus das Schweißtuch reicht, oder das dreimalige Fallen Jesu. Die Volksfrömmigkeit legt das Geschehen der Bibel für die Seele der Menschen in archetypischen Bildern aus. Schon die Zahl 14 ist archetypisch. Es gibt die 14 Nothelfer. 7 ist die heilige Zahl, die Gott und Mensch verbindet. Zwei Mal muss die Sieben abgeschritten werden, damit jeder Mensch, damit Mann und Frau den Weg zu ihrem Ziel, zu ihrer Befreiung finden, damit alle unsere Wunden geheilt werden.


 
Kreuzweg, 1. Station
I. STATION

Jesus wird zum Tode verurteilt

 

 

Verurteilt, beurteilt, eingeordnet, in eine Schublade gesteckt. So steht Jesus vor Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht. Wer von uns hat je bedacht, was er anrichtet mit seinem Urteilen, mit seinem Einordnen, mit seinem Werten, Bewerten, Entwerten? Wen von uns kümmert es, wie es dem geht, den wir verurteilt, den wir abgeschrieben, ausgegrenzt, entwertet haben?
 

 

II. STATION

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

 

 

Kreuzweg, 2. Station

Jesus bleibt keine andere Chance. Er muss das schwere Kreuz auf sich nehmen. Aber er nimmt es gerne. Er trägt es für uns. Er lädt sich die Last auf, die wir nicht tragen wollen. Er nimmt das Kreuz an, weil wir nicht bereit sind, uns selbst anzunehmen, weil wir uns weigern, unser Leben anzunehmen mit all dem, was es durchkreuzt. Er erträgt uns in diesem Kreuz, weil wir nicht bereit sind, uns selbst zu ertragen, weil wir so leicht vor uns selbst davon laufen.



 
 
Kreuzweg, 3. Station
III. STATION

Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

Das Kreuz wird Jesus zu schwer. Es drückt auf seine Schultern. Es erdrückt ihn. Die Last, die uns zugemutet wird, übersteigt oft unsere Kräfte. Sie liegt drückend auf uns. Wir kommen dagegen nicht an. Wir brauchen uns nicht als Versager zu fühlen. Jesus kann der Last auch nicht standhalten. Er bricht unter ihrer Last zusammen. Er wird mit uns solidarisch in unserer Schwäche. Das tröstet und befreit uns von unserem schlechten Gewissen, dass wir die Last nicht tragen können.


 
 

IV. STATION

Jesus begegnet seiner Mutter

 

Kreuzweg, 4. Station

Auf seinem Weg zur Kreuzigung begegnet Jesus seiner Mutter. Er muss es seiner Mutter zumuten, seinen schimpflichen Tod mitzuerleben, seinen Tod am Kreuz, den Schandpfahl, an den nur Verbrecher und Aufrührer gehängt werden. Er kann es ihr nicht ersparen. Er muss seinem Vater gehorchen, er muss sich selbst treu bleiben. Er kann die Frohe Botschaft vom barmherzigen Vater nicht verleugnen, nur weil einige etablierte Fromme seine Botschaft nicht hören wollen, weil sie für sie zu modern, zu revolutionär ist.



 
Kreuzweg, 5. Station
V. STATION

Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Die Soldaten zwingen Simon, Jesus das Kreuz zu tragen. Simon ist auf dem Weg vom Feld nach Hause. Er möchte seine Ruhe haben. Er ist kein politischer Mensch, sondern einer, der nur für sich und seine Familie sorgt, der gut für sie sorgt, der anständig ist. Aber er möchte in Ruhe gelassen werden. Er hat niemandem Böses getan. Warum zwingen sie ihn? Warum soll er sich in das Leben eines Fremden einmischen, in das Leben eines zum Tode Verurteilten? Geht man denen nicht besser aus dem Weg? Womit hat er das verdient, das Kreuz eines Verbrechers tragen zu müssen?


 
 

VI. STATION

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Kreuzweg, 6. Station

Eine Frau traut sich, sich aus der gaffenden Menge zu lösen. Sie hat den Mut, aus der Beobachterrolle auszubrechen und auf diesen Jesus zuzugehen, den sie zur Kreuzigung führen. Sie achtet nicht auf die Soldaten, die Jesus in ihre Mitte genommen haben. Sie hat ihren Blick auf Jesus gerichtet. Und sie fühlt mit ihm, der da unter der Last seines Kreuzes schwitzt. Der Blick der Liebe ist stärker als die gaffenden Blicke der Zuschauer und als die feindseligen Augen der Soldaten. Sie achtet nicht auf die Ablehnung, die sie von allen Seiten erfährt. Die Zuwendung, die sie Jesus schenkt, lässt sie die feindliche Mauer der Zuschauer und Mitläufer durchbrechen.



 
Kreuzweg, 7. Station
VII. STATION

Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Einmal fallen, das können wir uns verzeihen. Aber dann möchten wir uns für immer vornehmen, nicht mehr zu fallen. Jetzt werden wir uns anstrengen, keinen Fehler mehr zu machen, wir werden die Zähne zusammenbeißen, damit wir ja nicht mehr in die gleiche Sünde fallen. Aber alle unsere Vorsätze geben uns keine Garantie, dass wir nicht wieder fallen. Das zweite Mal fallen, das enttäuscht uns. Das lässt alle Vorsätze zunichte werden. Jetzt bringen wir nicht mehr den Mut auf, nochmals zu

 

versprechen, dass wir nicht mehr fallen werden. Unser Vertrauen in uns selbst ist zerbrochen. Wir können nicht mehr für uns garantieren.

Fortsetzung

 
 
Anmerkung: Meditationstexte nach P. Anselm Grün OSB, Münsterschwarzach
 
 
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Last updated 11.01.10